Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg
War ja auch nicht der Plan, dass sie lange versorgt werden, überhaupt länger existieren oder dass der Krieg länger dauert. Deshalb ja mein Bild eines Sprinters im Gegensatz zu einem Ausdauerläufer.

Das reichte ja weit in die Doktrin und selbst die Auslegung und Konzeption der Waffensysteme hinein, Stichwort: Kampfpanzer als Verbrauchsgegenstände. Man hatte ja beispielsweise vor Kampfpanzer nicht einmal zu bergen und wieder zu reparieren, sondern diese nutzten sich einfach ab und neue andere Kampfpanzer stießen dann an den Überresten vorbei, so zumindest die Grundidee.

Das hatte die russische Armee bis zum Ukrainekrieg weiterhin sozusagen in ihren Genen und es wurde für sie gerade aufgrund der Dauer des Ukrainekrieges und der Kriegsform dort so zum erheblichen Problem. Dazu noch die starke Eisenbahn- und Depotabhängigkeit der Russen bei länger andauernden Kampfhandlungen und dass diese angesichts der Fortschritte in der Waffentechnologie selbst sehr weit im Hinterland immer noch stark gefährdet sind. Die Russen verloren bei Angriffen auf ihre Depots über 100.000 Tonnen Artilleriemunition, nur mal so als Beispiel. Das kann keine Logistik schnell ersetzen. Es stellt sich in diesem Kontext die Frage, ob die ausdauerndere und durchhaltefähigere Logistik westlicher Streitkräfte für diese Anforderungen überhaupt geeignet ist, oder nicht gleichermaßen wie die Russen Probleme kriegen würde, wenn auch nicht in diesem extremen Ausmaß.

Meiner Ansicht nach wird der notwendige logistische Gesamtaufwand noch unterschätzt, auch bei unserer Logistik, wenn der Krieg länger andauert und statischer ausfällt. Insbesondere Artillerie schluckt Unmengen an Transportkapazität und selbst Mörser kosten einen erheblichen Aufwand was den steten Munitionsnachschub angeht.

Eine Schlußfolgerung daraus für mich wäre, dass man die Brigaden anders aufstellt und bewusst deutlich komapkter und als Kampfgruppen gestaltet die man frei von normaler Artillerie hält um den Versorungsaufwand für diese Brigaden / Kampfgruppen drastisch zu reduzieren. Entsprechend sollte die Artillerie auf einer höheren Ebene konzentriert werden und primär eine Divisionstruppe sein, sowie noch darüber in größeren Einheiten auf Korps-Ebene konzentriert werden. Damit stellt sich aber die grundsätzliche Frage nach Natur und Auftrag der jeweiligen Großkampfverbände. Die Bundeswehr will ja darauf hinaus, dass Brigaden das Gefecht verbundener Waffen führen. Meiner Meinung nach ist das ein Fehler, weil die Größenordnung von konventionellen Brigaden dafür unzureichend ist, der Regieaufwand für diese dann drastisch erhöht wird und die Ebene der Division damit noch mehr eingeschränkt wird in ihrer Einsetzbarkeit.

Das halte ich von der Doktrin und der aus ihr folgenden Zusammenstellung der Einheiten aktuell für den größten Fehler westlicher Streitkräfte bzw. der Bundeswehr was ihre Strukturen angeht.

Gerade um die Brigaden / Kampfgruppen beweglicher und schneller zu machen und den logistischen Aufwand für diese zu reduzieren, muss man die Artillerie woanders einziehen. Durch die heute viel größere effektive Reichweite geht dies meiner Meinung nach auch und dies ließe sich sogar noch verbessern wenn man mehr Raketenartillerie beschaffen würde und andere Artillerie sehr hoher Reichweite, was für Konterartillerie ohnehin notwendig und geboten wäre.

Entsprechend bräuchte jede Division mehrere (je nach Größe der Division) Artillerie-Bataillone oder besser noch kombiniert mit Einheiten der Luftabwehr mehrere Artillerie-Regimenter. Während man auf Korps-Ebene komplette Artillerie-Brigaden oder verstärkte Artillerie-Regimenter vorhalten sollte. Dafür wären die Brigaden frei von Artillerie. Eine Beispielstruktur wäre eine Division mit zwei Brigaden und zwei verstärkten Artillerie-Bataillonen als Divisionstruppe. Und ein Korps mit zumindest einer Artillerie-Brigade.

Sowohl in einem Kriegsbild wie in der Ukraine, als auch und gerade eben im Bewegungskrieg würde ich dies für wesentlich besser halten als die aktuell geplanten Strukturen.
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