23.02.2025, 17:17
(19.02.2025, 15:31)Diogenes schrieb: Das sah die BRD bis Ende des kalten Krieges nicht so:
..."Wir sehen: Der deutsche Verzicht auf Atomwaffen beinhaltete niemals den Verzicht auf die deutsche nukleare Option. ...Das zentrale Statussymbol der deutschen Nukleardiplomatie ist der nationale Plutoniumbunker in Hanau, der nach Regierungsangaben mindestens 2.500 kg Plutonium enthält. Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß sich im Hanauer Staatsbunker neben dem (bombenfähigen) Reaktorplutonium auch hochangereichertes Uran und Waffenplutonium in metallischer Form – erzeugt im Karlsruher “Mehrzweck-Forschungsreaktor...
Man müsse Länder wie Japan und die Bundesrepublik als Quasi-Atommächte betrachten, schrieb kürzlich ein Mitarbeiter der RAND-Corporation, Marc D. Millot: “U.S. policymakers would do well to think of these allies as ,virtual’ nuclear powers.” (7) Japan und die Bundesrepublik sind in der Tat die beiden einzigen Länder, die als Nicht-Atomwaffenstaaten über mehr als 1000 kg Plutonium verfügen."
http://www.matthiaskuentzel.de/contents/...liferation
Das ist der bislang beste Artikel und beinhaltet viel Neues das ich nicht wusste. Wir waren schon viel näher an der Bombe als ich dachte. Die BRD gab sich sehr bedeckt. Wir wussten mal wie Verteidigungspolitik geht.
Es gibt sehr wenig Forschung zu dem Thema und ich finde es interresant, deswegen schreibe ich hier so viel.
Zu den Kosten. F und GB geben ca. 6 -10 Millarden (je nach Quelle) im Jahr aus. Israel zwischen 1-2 Milliarden. Das ist nicht günstig aber bezahlbar.
https://www.spiegel.de/ausland/atomwaffe...bad054397e
https://www.icanw.de/pressemeldungen/pre...tomwaffen/
Das Zitat aus Küntzels Dissertation stammt aus den 1990er Jahren, daher müssten wir prüfen, ob die Aussagen noch der Realität entsprechen. Der Millot, den Du oben zitierst, hat bei RAND seit 1998 nichts mehr veröffentlicht.
Wer sich etwas einliest, der wird feststellen, dass sich vieles wiederholt. Bspw. Europa-Armee oder -Kernstreitkraft.
Auch müssten wir erstmal eruieren wie sich Küntzel im Paradigma verortet, aber er wird wohl nicht zum Realismus/Neorealismus wie bspw. Carlo Masala gehören. Vermutlich eher wie Herr Mützenich zum Bereich Interdependenz oder Weltsystemtheorie usw. zuzurechnen sein.
Zu den Kosten einer Atombewaffnung kann ich nur sagen, dass laut RAND die Aufstellung einiger Bataillone mit Mittelstreckenwaffen inkl. Entwicklung für 10-15 Mrd. zu haben ist.
Die navalisierte Variante würde dann noch einmal einige Milliarden verschlingen, dazu kommen noch die Jagd-U-Boote, die ich favorisieren würde, die dann ähnlich wie die U-214/212 Dolphin-Klasse der Israelis oder Akula- und Los-Angeles-Klasse ff. entweder über die Torpedorohre lancierct werden oder durch VLS.
Stückpreis für die kerntechnisch angetriebene Jagd-Uschiffe ca. 2,5 Mrd. 5-6 Stück wären nötig nochmals 15 Mrd. zzgl. Infrastruktur, da wird es wirklich kritisch, denn die U-Boote können wir nicht in D. stationieren, denn die Nordsee ist zu flach. Da müssten wir uns bei den Briten in Faslane und in Brest einkaufen, damit wir von dort aus operieren können. Ggf. ließen die Norweger mit sich reden, dann könnte man sie auch dort stationieren.
Der einzige Ort in D. wo es Sinn ergibt die U-Boote mit Zweitschlagskapazität zu stationieren wäre Helgoland, denn von dort sind es ein paar Stunden weniger Fahrzeit in die Tiefen des Atlantiks (bspw. Norwegische Rinne oder Biskaya-Bucht).
Aber die Mittelstreckenwaffen (Lenkflugkörper, Hyperschallwaffen, Marschflugkörper) brauchen wir sowieso in der Divisions- und Korpsartillerie des Heeres, denn hier hat sich einiges verändert im Vergleich zum Kalten Krieg.