29.10.2024, 22:16
Zitat:Der durchschnittliche Israelische Schüler hatte in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise geringen Kontakt mit systematischer politischer, sozialer, direkter Gewalt durch Palästinenser.
Es gab ausreichend vieler solcher "Kontakte" für israelische Schüler, so dass diese Thematik auch bei Israelis allgegenwertig ist. Und das schon lange vor dem 7 Oktober. Und ebenso schon vor Jahrzehnten, oder vielmehr gesagt: gerade eben vor Jahrzehnten weil es vor den ganzen Mauerbauten eine Menge Anschläge in Israel gab.
Das umgekehrt bei den Palästinensern die "Kontakte" heute quantitativ trotzdem sehr viel häufiger sind, spielt dafür keine Rolle.
Vor Jahrzehnten gab es übrigens durchaus mal Zeiträume, wo die Israelis mehr von Terrorangriffen getroffen wurden als umgekehrt die Palästinenser terrorisiert wurden.
Das heute die Palästinenser quantiativ mehr leiden, ist zwar heute so, ist aber in dieser deterministischen Abwärtsspirale insgesamt gesehen nicht so relevant. Es wird allenfalls in der Zukunft relevant werden.
Noch ein Aspekt, den du hier nur anreißt, ist die Frage der Darstellung in den Medien. Es ist gar nicht so relevant was real passiert, sondern nur wie es medial aufbereitet wird. Taten von Palästinensern werden entsprechend in israelischen Medien viel stärker ausgewälzt und umgekehrt gilt dies genau so.
Das größte Problem ist hier meiner Meinung nach, dass jede noch so kleine Tat von Palästinensern in den israelischen Medien in epischer Breite und über lange Zeit ausgebreitet wird. Umgekehrt wird über das Leid der Palästinenser extrem wenig, und eher maschinell und sehr kalt berichtet. Man will in der israelischen Zivilbevölkerung gar nichts mehr über die Palästinenser wissen und wenn man mit Israelis darüber spricht, blockieren sie dann sehr oft total. Da heißt es dann sofort: alles Palywood und die sind selbst schuld und was ist mir deren Taten gegen uns ? Jede beliebige israelische Handlung wird sofort geleugnet und zugleich sofort auf die Taten der Gegenseite verwiesen, immer beides zusammen.
Exakt das gleiche machen die Palästinenser ebenso: jede Tat der Hamas wird geleugnet, und zugleich sofort auf die Taten der Israelis verwiesen.
Beide Seiten sind also in ihren Denkweisen, in ihrer Sozialkultur, ihren Ansichten (von der grundsätzlichen Methodik her) viel ähnlicher als sie es selbst wahrnehmen können.
Beide Seiten nehmen die jeweils andere Seite kaum noch als Menschen wahr, wollen dies auch grundsätzlich nicht mehr und verweigern die Anerkennung jedweder eigener Schuld unter ständigem Verweis auf die Schuld der Gegenseite.
Exakt das meine ich mit deterministischer Abwärtsspirale.
Wenn diese nicht nachhaltig durchbrochen wird, dann wird das Ende davon auf jeden Fall ein Genozid sein, es kann gar keinen anderen Ausgang geben.
PS: Vielen Dank für deinen Verweis auf den Text von Prof. Abu-Saad, den ich aus Schriften über die arabischen Beduinen in Israel schon kannte. Wie dieser Autor auch habe ich ja ein gewisses Faible für die Beduinen und halte den Umgang Israels mit dieser Minderheit für phänotypisch für bestimmte Fehlentwicklungen Israels.