09.10.2024, 13:10
Die Trümmer dort, welche aus zusammen hängenden armierten Stahlbetonteilen bestehen, kann man eben nicht so einfach mit der Schubkarre wegschaffen. Natürlich sollten die Palästinenser hier auch so viel wie möglich mitarbeiten, aber angesichts von Mangelernähung und heilloser Überlastung der Bevölkerung ist hier keine große Leistung erwartbar. Was du im Vergleich zu den Zuständen in Deutschland übersiehst ist, dass damals dort durch die Besatzungstruppen Sicherheit und Frieden herrschte, das Land nicht weiter von einer Terrororganisation durchzogen war, dass die Besatzungsmächte beim Wegräumen der Trümmer durchaus Hilfen leisteten (beispielsweise Lebensmittelhilfen) und dass wir im Fall Gaza von einem vollständigen urbanen Raum sprechen, während in Deutschland ja neben zerstörten Städten noch viel sonstige Landesfläche dazu vorhanden war.
Dann ist der Zeitfaktor zu bedenken. Auch in Deutschland unter völlig anderen Voraussetzungen hat es viele Jahre gedauert bis die Trümmer weg waren. Wenn man dies in Gaza schneller bewerkstelligen könnte, würde dies weitere Chancen auftun, auf die Palästinenser dort positiv einzuwirken und damit für diese Menschen eine andere Zukunft als die eines bloßen Bombenfutters für die Hamas zu schaffen. Den Palästinensern bezüglich der Trümmer deutlich unter die Arme zu greifen, muss man hier im Gesamtkontext einer (möglichen / theoretischen) bevölkerungszentrischen COIN Strategie sehen.
Allgemein:
Ein Interview mit Ehud Barak, den ich persönlich sehr schätze. Es ist zwar schon etwas älter, deckt sich aber besonders gut mit meinen eigenen persönlichen Ansichten:
https://www.welt.de/politik/ausland/arti...achen.html
Israel sollte und müsste es eigentlich versuchen, hier und jetzt in Gaza einen völlig anderen Weg im Umgang mit den Palästinensern dort zugehen. Nicht weil dieser erfolgreich sein wird (zur höheren Wahrscheinlichkeit wird er scheitern), nicht aus irgendwelchen moralisch-ethischen Beweggründen heraus, sondern weil es zumindest besser ist es versucht haben, als durch Nichts-Tun und weitere Strategielosgikeit bei exakt dem gleichen Ergebnis zu landen wie wenn man scheitern sollte. Man hätte dann zumindest eine gewisse (geringe) Chance, die man mit der aktuellen Nicht-Strategie eben gar nicht hat. Und selbst wenn es scheitert, ist eine Chance immer noch besser als gar keine Chance.
Dann ist der Zeitfaktor zu bedenken. Auch in Deutschland unter völlig anderen Voraussetzungen hat es viele Jahre gedauert bis die Trümmer weg waren. Wenn man dies in Gaza schneller bewerkstelligen könnte, würde dies weitere Chancen auftun, auf die Palästinenser dort positiv einzuwirken und damit für diese Menschen eine andere Zukunft als die eines bloßen Bombenfutters für die Hamas zu schaffen. Den Palästinensern bezüglich der Trümmer deutlich unter die Arme zu greifen, muss man hier im Gesamtkontext einer (möglichen / theoretischen) bevölkerungszentrischen COIN Strategie sehen.
Allgemein:
Ein Interview mit Ehud Barak, den ich persönlich sehr schätze. Es ist zwar schon etwas älter, deckt sich aber besonders gut mit meinen eigenen persönlichen Ansichten:
https://www.welt.de/politik/ausland/arti...achen.html
Zitat:Barak: Es heißt immer, die Hamas solle zerstört werden. Ein überzeugendes Kriegsziel ist das aber nicht, weil wir zwar die militärischen und organisatorischen Strukturen der Hamas auslöschen können. Aber nicht die Ideologie. Hamas hat Schwesterbewegungen in fast jeder muslimischen Gesellschaft.
Barak: Nach dem Massaker in München haben wir die Täter in Beirut aufgespürt. Ich hatte die Leitung, wir hatten uns damals Perücken aufgesetzt und als Frauen verkleidet 20 Geiselnehmer und Hintermänner liquidiert. Dabei haben wir nicht einen Augenblick an Rache gedacht. Wir wollten nur verhindern, dass so eine Tat noch einmal geschehen kann. Darum geht es auch jetzt. Und noch wichtiger als die Täter zu töten ist es, die Auftraggeber zu eliminieren, die Organisatoren des Terrors. Wir können die Träume der Menschen, die die Hamas unterstützen, nicht ändern. Wir können auch nicht die Gedanken jedes Israelis kontrollieren, der vielleicht an Rache denkt. Die Logik dieser Operation in Gaza ist es, mit kühlem Kopf sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passieren kann.
Barak: Etwa die Hälfte der Israelis, vielleicht auch etwas mehr, glaubt an die Ein-Staaten-Lösung. Ich gehöre nicht dazu, weil es Gerechtigkeit für die Palästinenser geben muss. Es wäre auch für Israels Sicherheit, unsere Identität, unsere Zukunft das Beste. Unser Ziel sollte ein starkes und sicheres Israel sein, Seite an Seite mit einem palästinensischen Staat.
Barak: Natürlich wird das nicht einfach sein. Als ich im Juli 2000 als Ministerpräsident die Verhandlungen über eine Entspannung des Nahost-Konflikts in Camp David beendete, sagte ich: Egal, ob es fünf, zwanzig oder fünfzig Jahre dauert, zwei souveräne Staaten nebeneinander, darauf muss es hinauslaufen.
Barak: Ich halte nichts von Generalisierungen über Araber, Muslime, auch nicht über unsere Nachbarn. Als Erstes müssen wir effektiv und fokussiert alle Gegner töten. ......In jeder Gesellschaft sind 99 Prozent der Menschen ganz normale Leute, auch wenn sie zum Hass erzogen und schlecht ausgebildet wurden.
Barak: In unserem Fall wird es zunächst zu einer Friedensvereinbarung kommen, die nur Verträge zwischen Staatsführern sind. Sie werden nicht sofort die öffentliche Haltung gegenüber der anderen Seite ändern. Aber wenn sie gut gemacht und stabil sind, werden sie einen Prozess in Gang setzen, der Generationen dazu bringt, ihre Beziehung zueinander zu ändern. Es ist ein Evolutionsprozess, der auf Erziehung und Aufklärung beruht und der sich über Generationen hinzieht.
Israel sollte und müsste es eigentlich versuchen, hier und jetzt in Gaza einen völlig anderen Weg im Umgang mit den Palästinensern dort zugehen. Nicht weil dieser erfolgreich sein wird (zur höheren Wahrscheinlichkeit wird er scheitern), nicht aus irgendwelchen moralisch-ethischen Beweggründen heraus, sondern weil es zumindest besser ist es versucht haben, als durch Nichts-Tun und weitere Strategielosgikeit bei exakt dem gleichen Ergebnis zu landen wie wenn man scheitern sollte. Man hätte dann zumindest eine gewisse (geringe) Chance, die man mit der aktuellen Nicht-Strategie eben gar nicht hat. Und selbst wenn es scheitert, ist eine Chance immer noch besser als gar keine Chance.