24.09.2024, 21:01
Nicht jede Miliz, die von den Feinden als "Terrororganisation" bezeichnet wird, ist tatsächlich eine solche.
Die Hisbollah ist 1982 ursprünglich aus einer Art "Fremdenlegion", nämlich iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) im Kampf gegen die israelischen Besatzungstruppen im Südlibanon entstanden und hat 1985 auch den Schutz sunnitischer palästinensischer Flüchtlinge in den Llagern Sabra und Schatila gegen die syrisch unterstützte schiitische Miliz "Amal" übernommen. Sie wirkt zunehmend als anerkannte und offizielle Schutzmacht und rekrutiert sich aus freiwillig tätigen Einheimischen.
Seit 1992 ist die Hisbollah in der libanesischen Nationalversammlung vertreten. Seitdem hat sie sich zu einem militärischen, sozialen und politischen Machtfaktor entwickelt. Sie stellt nach der Parlamentswahl 2018 mit 13 Mandaten etwa 10 % der Parlamentsabgeordneten und war schon in mehreren Kabinetten der libanesischen Regierung vertreten. Als wichtigstes Ziel wurde schon im Wahlprogramm von 1996 der „Widerstand gegen die Besatzung“ genannt, also gegen die israelischen Besatzungstruppen, die erst im Mai 2000 den Südlibanon verlassen haben.
Nach Christoph Reuter: (S+) Hisbollah im Libanon als Machtfaktor: Tragische Parodie eines Staates. In: Der Spiegel. 3. Februar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de) ist die Hisbollah eine offiziell im Libanon anerkannte und geduldete Ergänzung der regulären (schwächeren) libanesischen Streitkräfte, die eng mit der Hisbollah kooperieren. Die Trennung von "Heimatschutz" (oder von mir aus "Hjemmeværnet" oder "Home Guard") und "regulären Streitkräften" (oder von mir aus reguläre Territorial Army - TA) gab bzw. gibt es im Übrigen auch anderswo.
Die Hisbollah ist - unbestreitbar - für zahlreiche Anschläge gegen die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) verantwortlich. Das könnte man aber immer noch als Bestandteil des "Widerstands gegen die Besatzung" sehen.
Und tatsächlich ist die Hisbollah vor allem in den Grenzgebieten des Libanon stationiert - gegenüber Israel und auch gegenüber Syrien:
[Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c..._Jul06.png]
Ich möchte nicht ausschließen, dass die Hisbollah auch Mittel und Wege nutzt, die offiziellen Streitkräften eher versperrt sind - etwa durch die Inanspruchnahme von umfangreicher Ausrüstungshilfe und Beratung aus dem Iran. Aber deshalb wird da noch lange keine mit der Mafia vergleichbare kriminelle Vereinigung draus.
Mal ergänzend einige der "Terroristenunterstützung nicht verdächtige" Stimmen
n-tv meldet:
= entweder, die Hisbollah ist faktisch nicht mehr handlungsfähig (wie hier ja auch von Usern suggeriert wird)
==> dann schlägt Israel hemmungslos und unbegründet auf den Libanon ein
= oder, die Hisbollah hält sich (noch?) zurück
==> dann muss man sich fragen, warum diese Zurückhaltung passiert.
Für das Letztere sprechen durchaus auch Argumente. So berichtet nochmal n-tv:
Die Hisbollah ist 1982 ursprünglich aus einer Art "Fremdenlegion", nämlich iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) im Kampf gegen die israelischen Besatzungstruppen im Südlibanon entstanden und hat 1985 auch den Schutz sunnitischer palästinensischer Flüchtlinge in den Llagern Sabra und Schatila gegen die syrisch unterstützte schiitische Miliz "Amal" übernommen. Sie wirkt zunehmend als anerkannte und offizielle Schutzmacht und rekrutiert sich aus freiwillig tätigen Einheimischen.
Seit 1992 ist die Hisbollah in der libanesischen Nationalversammlung vertreten. Seitdem hat sie sich zu einem militärischen, sozialen und politischen Machtfaktor entwickelt. Sie stellt nach der Parlamentswahl 2018 mit 13 Mandaten etwa 10 % der Parlamentsabgeordneten und war schon in mehreren Kabinetten der libanesischen Regierung vertreten. Als wichtigstes Ziel wurde schon im Wahlprogramm von 1996 der „Widerstand gegen die Besatzung“ genannt, also gegen die israelischen Besatzungstruppen, die erst im Mai 2000 den Südlibanon verlassen haben.
Nach Christoph Reuter: (S+) Hisbollah im Libanon als Machtfaktor: Tragische Parodie eines Staates. In: Der Spiegel. 3. Februar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de) ist die Hisbollah eine offiziell im Libanon anerkannte und geduldete Ergänzung der regulären (schwächeren) libanesischen Streitkräfte, die eng mit der Hisbollah kooperieren. Die Trennung von "Heimatschutz" (oder von mir aus "Hjemmeværnet" oder "Home Guard") und "regulären Streitkräften" (oder von mir aus reguläre Territorial Army - TA) gab bzw. gibt es im Übrigen auch anderswo.
Die Hisbollah ist - unbestreitbar - für zahlreiche Anschläge gegen die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) verantwortlich. Das könnte man aber immer noch als Bestandteil des "Widerstands gegen die Besatzung" sehen.
Und tatsächlich ist die Hisbollah vor allem in den Grenzgebieten des Libanon stationiert - gegenüber Israel und auch gegenüber Syrien:
[Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c..._Jul06.png]
Ich möchte nicht ausschließen, dass die Hisbollah auch Mittel und Wege nutzt, die offiziellen Streitkräften eher versperrt sind - etwa durch die Inanspruchnahme von umfangreicher Ausrüstungshilfe und Beratung aus dem Iran. Aber deshalb wird da noch lange keine mit der Mafia vergleichbare kriminelle Vereinigung draus.
Mal ergänzend einige der "Terroristenunterstützung nicht verdächtige" Stimmen
n-tv meldet:
Zitat:Beirut spricht von 500 Totenund die Berliner Zeitung (BZ):
USA und EU befürchten das Schlimmste im Libanon
Hunderte Tote und noch viel mehr Verletzte: Israel attackiert den Libanon heftig wie lange nicht, und die Sorge vor einem weitreichenden Krieg wächst. Die USA befürchten eine weitere Destabilisierung, der EU-Außenbeauftragte sieht eine Kriegssituation. Auch Paris schaltet sich ein.
Die französische Regierung hat wegen der kriegerischen Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz eine Sondersitzung des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen beantragt. "Als Reaktion auf die heutigen Angriffe im Libanon, denen Hunderte Menschen zum Opfer gefallen sind, habe ich eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in dieser Woche beantragt", sagte Frankreichs neuer Außenminister Jean-Noël Barrot am Montag Ortszeit in New York.
Zuvor hatte Israels Militär mit den folgenschwersten Attacken im benachbarten Libanon seit fast zwei Jahrzehnten die Sorge vor einer unkontrollierbaren Eskalation in der Region geschürt. Rund 500 Menschen wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums bei den Luftangriffen getötet, darunter Dutzende Kinder. Zudem gab es demnach mehr als 1600 Verletzte. Es ist die höchste Opferzahl im Südlibanon seit dem letzten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006.
Auch die USA sind besorgt und lehnen einem Insider zufolge eine Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah an der libanesisch-israelischen Grenze ab. "Ich kann mich zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht daran erinnern, dass eine Eskalation oder Intensivierung zu einer grundlegenden Deeskalation und einer tiefgreifenden Stabilisierung der Situation geführt hätte", sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums. Auf die Frage, ob dies im Widerspruch zur israelischen Position stehe, nickte der US-Beamte.
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Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage. "Diese Situation ist extrem gefährlich und besorgniserregend. Ich kann sagen, dass wir uns fast in einem vollwertigen Krieg befinden", sagte Borrell mit Blick auf die hohe Zahl ziviler Opfer. "Wenn das keine Kriegssituation ist, weiß ich nicht, wie ich es sonst nennen soll."
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Zitat:Libanon: Israel startet neuen „gezielten Angriff“ auf Beirut, mindestens 558 Tote am Montagda gibt es jetzt zwei Möglichkeiten
Israel hat nach eigenen Angaben am Dienstag einen neuerlichen gezielten Luftangriff auf die libanesische Hauptstadt Beirut ausgeführt. „Die Armee hat einen gezielten Angriff in Beirut ausgeführt. Details folgen“, teilte das israelische Militär mit. Aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, ein israelischer Angriff habe im Süden von Beirut „zwei Etagen in einem Wohngebäude im Gebiet Ghobeiri ins Visier genommen“.
Auch in der Nacht zu Dienstag wurden Dutzende „Terror-Ziele“ getroffen, wie die israelischen Streitkräfte mitteilten. Die Hisbollah überzog Israels Norden daraufhin am Morgen erneut mit massiven Angriffen aus dem Libanon. Derweil stieg den libanesischen Behörden zufolge die Anzahl der Todesopfer bei den Angriffen am Montag.
Bei den massiven israelischen Luftangriffen vom Montag wurden nach jüngsten libanesischen Angaben mehr als 500 Menschen getötet. Wie der libanesische Gesundheitsminister Firass Abiad am Dienstag vor Journalisten mitteilte, registrierte seine Behörde insgesamt bislang mindestens 558 Menschen, die bei den israelischen Luftangriffen am Vortag getötet wurden. Darunter seien auch „50 Kinder und 94 Frauen“. Dem Minister zufolge ist dies die höchste Zahl an Toten seit dem letzten Krieg zwischen der Hisbollah und Israel im Jahr 2006. „Die große Mehrheit, wenn nicht alle, sind unbewaffnete Personen, die sich in ihren Häusern befanden“, fügte er hinzu....
= entweder, die Hisbollah ist faktisch nicht mehr handlungsfähig (wie hier ja auch von Usern suggeriert wird)
==> dann schlägt Israel hemmungslos und unbegründet auf den Libanon ein
= oder, die Hisbollah hält sich (noch?) zurück
==> dann muss man sich fragen, warum diese Zurückhaltung passiert.
Für das Letztere sprechen durchaus auch Argumente. So berichtet nochmal n-tv:
Zitat: ...
Israel verstärkt seine Angriffe auf die Hisbollah und tötet einen führenden Kommandeur in Beirut. Die Eskalation der Gewalt weckt Befürchtungen eines umfassenden Krieges im Nahen Osten. Die USA fordern derweil ihre Landsleute auf, den Libanon zu verlassen, solange noch Flüge verfügbar seien.
Israel hat erneut Ziele im Süden des Libanon angegriffen und angekündigt, den Druck auf die ... Hisbollah aufrechtzuerhalten. Der israelische Militärchef erklärte, die Hisbollah dürfe keine Atempause erhalten. Die Hisbollah selbst erklärte, militärische Einrichtungen in Israel angegriffen zu haben.
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Zu den Optionen Israels könnte eine Invasion des südlichen Libanon sowie eine Ausweitung der Luftangriffe gehören.
Trotz großer Verluste in den vergangenen Tagen wäre die Hisbollah nach Einschätzung von Experten durchaus in der Lage, sich in einem solchen Szenario zu wehren. Die Hisbollah wurde 1982 von den iranischen Revolutionsgarden gegründet, um einer israelischen Invasion des Libanon entgegenzuwirken. Sie gilt als wesentlich schlagkräftiger als die Hamas im Gazastreifen. Andererseits verweisen Insider darauf, dass die Hisbollah an einem großangelegten Krieg gegen Israel kein Interesse haben kann.