22.09.2024, 11:58
Werter Nightwatch:
Gar kein Problem. Geht mir ja regelmässig ganz genau so. Man meint etwas zu wissen, sich daran zu erinnern, hat es aber falsch in Erinnerung. Das geschieht mir ja auch regelmässig.
Die Pager waren meiner Meinung nach absolut eindeutig andere Vorrichtungen im Sinne dieser Definition. Und Israel ist beigetreten und hat sich lediglich vorbehalten Protokoll III (Brandwaffen) auszunehmen. Der Begriff handverlegt inkludiert im übrigen auch das durch Menschen vorgenommene Einschleusen solcher Vorrichtungen, denn schließlich wurden die Batterien ja von Menschen in diese Geräte eingelegt, also handverlegt.
Auf den folgenden, von mir am Schluss als wesentlich genannten und deshalb hervorgehobenen Satz gehst du aber meiner Ansicht nach nicht ein:
Wie siehst du diesen Satz in diesem Kontext ?
Grolanner:
Ein Vielfaches an Unschuldigen verletzt und getötet, dafür aber buchstabengetreu gesetzeskonform?
Ja wäre es. In diesem Kontext sollte ich an dieser Stelle vielleicht nochmal betonen, dass es mir nicht um eine moralisch-ethische Betrachtung geht, in keinster Weise. Und das es nicht darum geht weniger zu töten oder Zivilisten zu verschonen oder präziser zu wirken etc. Auch die Frage ob Schuldig oder Unschuldig ist irrelevant, es zählt nur die Frage der Funktionalität. Deshalb stehe ich diesem Pager-Angriff sehr ambivalent gegenüber. Zum einen ist der militärisch / taktisch / operativ zweifelsohne sehr elegant, funktional und entspricht meinen Vorstellungen einer unkonventionellen Kriegsführung. Auf der politischen / strategischen Ebene aber ist es meiner Überzeugung nach immer langfristig von Vorteil "das Gesetz" einzuhalten, und zwar nur dem Buchstaben getreu, aber nichts desto trotz es eben einzuhalten. In der steten Benutzung des Rechtes öffnen sich meiner Meinung strategisch viele Möglichkeiten welche man aufgibt, wenn man das Recht einfach komplett ignoriert wie es hier zunehmend der Fall ist. Das gilt für alle Seiten.
Wenn es beispielsweise funktional ist sehr viele Unschuldige grausam zu töten und dies rechtlich möglich und absolut legal ist, dann sollte man im Krieg nicht zögern. Umgekehrt sollte man sich in Bezug auf rechtlich fragwürdige Vorgehensweisen eher zurückhalten bzw. diese sehr gründlich überdenken und erwägen, selbst wenn sie viel präziser sind und nur "Schuldige" treffen. Man sollte also immer danach streben rein de jure im Recht zu sein und dieses bietet eben in Wahrheit sehr viel mehr Möglichkeiten als es Verbote und Einschränkungen zur Folge hat. Man konzentriert sich viel zu sehr darauf was das Recht einschränkt und nicht darauf, wie man es so verwendet, dass es einen in Wahrheit in seinen Handlungen befördert.
Und hier kommt das Problem der aktuellen israelischen Nicht-Strategie ins Spiel. Die Israelis nutzen das Recht nicht mal ansatzweise aus, brechen es aber fortwährend ohne Not und ohne langfristigen strategischen Nutzen, sie verfolgen extremistische Kriegsziele, nehmen aber die notwendigen Maßnahmen nicht vor weil sie dies aus einem Faktorenbündel heraus gar nicht können / wollen, womit diese Kriegsziele an sich und in sich selbst falsch sind. Sie handeln also in allen Aspekten schlussendlich widersprünglich und es fehlt ihnen sowohl an Konsequenz als auch an irgendeiner realistischen politisch-strategischen / militärisch-strategischen Zielsetzung und selbst wo sie eine solche ansatzweise formulieren, ist nicht ansatzweise erkennbar dass sie irgendeinen gangbaren Weg dahingehend verfolgen.
Und das ist schlussendlich der direkte Weg in die Niederlage und langfristig gesehen in die Vernichtung Israels als Staat. Aber selbst auf diesen Vorhalt zucken zu viele in Israel inzwischen mit den Schultern und meinen, dass man sich mit genug Willen und Atomwaffen unbegrenzt wird weiter durchwurschteln kann. Eventuell hat dieses ganze Unvermögen diesbezüglich auch mit der Sozialkultur in Israel zu tun, die ja einen gewissen Hang zu Überoptimismus, Disziplinlosigkeit und Verachtung für Autoritäten inne hat. Wie man es auch dreht und wendet, die aktuelle sozialkulturelle Grundströmung in Israel verunmöglicht zunehmend irgendeine auch nur halbwegs funktionale israelische Strategie, insbesondere wenn man es langfristig betrachtet.
Israel wird demzufolge etwaig sogar schon mittelfristig nicht überleben.
Und damit man diese Aussage von mir absolut richtig versteht: ich stehe sehr einseitig auf der Seite Israels. Gerade eben deshalb bereiten mir die aktuelle israelische Nicht-Strategie und der deterministische Fatalismus dort so erhebliche Sorgen.
Zitat:Ich hatte mich da in der Eile tatsächlich vertan, Israel ist dieser Konvention beigetreten.
Gar kein Problem. Geht mir ja regelmässig ganz genau so. Man meint etwas zu wissen, sich daran zu erinnern, hat es aber falsch in Erinnerung. Das geschieht mir ja auch regelmässig.
Die Pager waren meiner Meinung nach absolut eindeutig andere Vorrichtungen im Sinne dieser Definition. Und Israel ist beigetreten und hat sich lediglich vorbehalten Protokoll III (Brandwaffen) auszunehmen. Der Begriff handverlegt inkludiert im übrigen auch das durch Menschen vorgenommene Einschleusen solcher Vorrichtungen, denn schließlich wurden die Batterien ja von Menschen in diese Geräte eingelegt, also handverlegt.
Auf den folgenden, von mir am Schluss als wesentlich genannten und deshalb hervorgehobenen Satz gehst du aber meiner Ansicht nach nicht ein:
Zitat:Unbeschadet des Artikels 3 ist es verboten, Waffen, auf die der vorliegende Artikel Anwendung findet, in einer Stadt, einem Dorf oder einem sonstigen Gebiet, in dem Zivilpersonen ähnlich konzentriert sind, einzusetzen, in denen eine Kampfhandlung zwischen Landstreitkräften nicht stattfindet oder nicht unmittelbar bevorzustehen scheint
Wie siehst du diesen Satz in diesem Kontext ?
Grolanner:
Zitat:Eine Gegenfrage an dich Quintus: Wäre also eine große Luftoffensive zur Ausschaltung der "Hochwertziele Anführer" mit diversen Bombenabwürfen/FK-Schlägen, wie im Krieg zwischen Nationen üblich, die "bessere" Alternative gewesen?
Ein Vielfaches an Unschuldigen verletzt und getötet, dafür aber buchstabengetreu gesetzeskonform?
Ja wäre es. In diesem Kontext sollte ich an dieser Stelle vielleicht nochmal betonen, dass es mir nicht um eine moralisch-ethische Betrachtung geht, in keinster Weise. Und das es nicht darum geht weniger zu töten oder Zivilisten zu verschonen oder präziser zu wirken etc. Auch die Frage ob Schuldig oder Unschuldig ist irrelevant, es zählt nur die Frage der Funktionalität. Deshalb stehe ich diesem Pager-Angriff sehr ambivalent gegenüber. Zum einen ist der militärisch / taktisch / operativ zweifelsohne sehr elegant, funktional und entspricht meinen Vorstellungen einer unkonventionellen Kriegsführung. Auf der politischen / strategischen Ebene aber ist es meiner Überzeugung nach immer langfristig von Vorteil "das Gesetz" einzuhalten, und zwar nur dem Buchstaben getreu, aber nichts desto trotz es eben einzuhalten. In der steten Benutzung des Rechtes öffnen sich meiner Meinung strategisch viele Möglichkeiten welche man aufgibt, wenn man das Recht einfach komplett ignoriert wie es hier zunehmend der Fall ist. Das gilt für alle Seiten.
Wenn es beispielsweise funktional ist sehr viele Unschuldige grausam zu töten und dies rechtlich möglich und absolut legal ist, dann sollte man im Krieg nicht zögern. Umgekehrt sollte man sich in Bezug auf rechtlich fragwürdige Vorgehensweisen eher zurückhalten bzw. diese sehr gründlich überdenken und erwägen, selbst wenn sie viel präziser sind und nur "Schuldige" treffen. Man sollte also immer danach streben rein de jure im Recht zu sein und dieses bietet eben in Wahrheit sehr viel mehr Möglichkeiten als es Verbote und Einschränkungen zur Folge hat. Man konzentriert sich viel zu sehr darauf was das Recht einschränkt und nicht darauf, wie man es so verwendet, dass es einen in Wahrheit in seinen Handlungen befördert.
Und hier kommt das Problem der aktuellen israelischen Nicht-Strategie ins Spiel. Die Israelis nutzen das Recht nicht mal ansatzweise aus, brechen es aber fortwährend ohne Not und ohne langfristigen strategischen Nutzen, sie verfolgen extremistische Kriegsziele, nehmen aber die notwendigen Maßnahmen nicht vor weil sie dies aus einem Faktorenbündel heraus gar nicht können / wollen, womit diese Kriegsziele an sich und in sich selbst falsch sind. Sie handeln also in allen Aspekten schlussendlich widersprünglich und es fehlt ihnen sowohl an Konsequenz als auch an irgendeiner realistischen politisch-strategischen / militärisch-strategischen Zielsetzung und selbst wo sie eine solche ansatzweise formulieren, ist nicht ansatzweise erkennbar dass sie irgendeinen gangbaren Weg dahingehend verfolgen.
Und das ist schlussendlich der direkte Weg in die Niederlage und langfristig gesehen in die Vernichtung Israels als Staat. Aber selbst auf diesen Vorhalt zucken zu viele in Israel inzwischen mit den Schultern und meinen, dass man sich mit genug Willen und Atomwaffen unbegrenzt wird weiter durchwurschteln kann. Eventuell hat dieses ganze Unvermögen diesbezüglich auch mit der Sozialkultur in Israel zu tun, die ja einen gewissen Hang zu Überoptimismus, Disziplinlosigkeit und Verachtung für Autoritäten inne hat. Wie man es auch dreht und wendet, die aktuelle sozialkulturelle Grundströmung in Israel verunmöglicht zunehmend irgendeine auch nur halbwegs funktionale israelische Strategie, insbesondere wenn man es langfristig betrachtet.
Israel wird demzufolge etwaig sogar schon mittelfristig nicht überleben.
Und damit man diese Aussage von mir absolut richtig versteht: ich stehe sehr einseitig auf der Seite Israels. Gerade eben deshalb bereiten mir die aktuelle israelische Nicht-Strategie und der deterministische Fatalismus dort so erhebliche Sorgen.