15.08.2024, 15:49
@Quintus Fabius
Ich habe mich sarkastisch ausgedrückt, selbstverständlich unterstelle ich dir nicht, für den Weltfrieden einzutreten ;-)
Veränderungen sind prinzipiell risikobehaftet, weil sie Entwicklungen mit sich bringen können, die man nicht antizipiert oder kontrollieren kann. Eine stabile Situation mit irgendwelchen kühnen Zügen über den Haufen werfen zu wollen während es keinen offensichtlich gangbaren Lösungsweg gibt ist da eine denkbar schlechte Handlungsoption.
Was hätte Israel zu verlieren - ich weiß nicht was die Frage soll. Alles was man hat natürlich. Israel ist trotz aller Widrigkeiten ein Land in dem es sich wunderbar leben lässt, die Bevölkerung ist angesichts der Lage geradezu absurd glücklich, die Lebensqualität ist höher als in vielen europäischen Ländern, die Wirtschaftsdaten sind für entwickelte Staaten traumhaft, Demographie ebenso... erreicht primär mit einem Regierungschef dessen zuvorderst Ziel es ist eben keine heißen Eisen zu schmieden, sondern den Status Quo möglichst gut zu verwalten.
Der letzte Regierungschef der etwas anderes versucht hat war Ariel Sharon. Von seinem einseitigen Abzug aus Gaza führt eine sehr direkte Linie zu dem Desaster des 7. Oktober und dem Krieg gegen die Hamas.
Entsprechend gibt es in der Bevölkerung keinen Rückhalt für weitere Volten dieser Art. Netanyahu konnte sich vor allem deswegen solange an der Spitze der israelischen Politik behaupten; die Wähler wissen, dass es mit ihm keine Experimente geben wird. Das sollten wir hierzulande eigentlich gut verstehen, wir hatten ja bis vor kurzen auch so eine politische Figur, die mit dem Slogan 'Sie kennen mich' recht erfolgreich in die Wahlkämpfe gezogen ist.
Das ist die politische Realität. Aber hat Netanyahu so unrecht mit seinem Kurs? Es hat lange Jahre gut bis sehr gut funktioniert und auch der 7. Oktober war kein Event, dass zwangsläufig hätte so ablaufen müssen, wie es abgelaufen ist. Wenn überhaupt zeigt die Entwicklung in Gaza, dass man den Herrschaften dort mit wirtschaftlicher Unterstützung und Arbeitsmöglichkeiten in Israel noch viel zu weit entgegengekommen ist.
Auf der anderen Seite zeigen aber die Unruhen aufgrund der Justizreform, dass in der israelischen Gesellschaft ein enormes Potential zum Aufruhr steckt. Und beileibe nicht nur von linkspopulistischer Seite.
Eine Räumung von Siedlungen im Westjordanland beispielsweise würde heute, selbst wenn sie nur in der übersichtlichen Größenordnung des Abzugs aus Gaza stattfinden würde, zu Verwerfungen führen, die das Land nicht nur an den Rand, sondern wahrscheinlich direkt in einen Bürgerkrieg führen würden.
Was soll also gemacht werden? Von dir höre ich immer nur, dass der Status Quo ganz unweigerlich in eine fürchterliche Zukunft führen wird. Vielleicht hast du recht, vielleicht nicht. Allerdings hilft diese mögliche Erkenntnis nichts, wenn du keine politisch gangbaren Vorschlägen bringen kannst, die zu einer positiven Veränderung des Status Quo führen würden.
Welche Handlungsoptionen hat ein Netanyahu tatsächlich? Welche hätte ein möglicher Nachfolger Gantz oder Bennett? Sich hinzustellen und zu postulieren, dass die Gesamtsituation unbefriedigend ist und die Zukunft nicht besser wird ist keine Lösung. Von Dingen zu träumen, die in einer pluralistischen Demokratie nicht umsetzbar sind auch nicht.
Ich habe mich sarkastisch ausgedrückt, selbstverständlich unterstelle ich dir nicht, für den Weltfrieden einzutreten ;-)
Veränderungen sind prinzipiell risikobehaftet, weil sie Entwicklungen mit sich bringen können, die man nicht antizipiert oder kontrollieren kann. Eine stabile Situation mit irgendwelchen kühnen Zügen über den Haufen werfen zu wollen während es keinen offensichtlich gangbaren Lösungsweg gibt ist da eine denkbar schlechte Handlungsoption.
Was hätte Israel zu verlieren - ich weiß nicht was die Frage soll. Alles was man hat natürlich. Israel ist trotz aller Widrigkeiten ein Land in dem es sich wunderbar leben lässt, die Bevölkerung ist angesichts der Lage geradezu absurd glücklich, die Lebensqualität ist höher als in vielen europäischen Ländern, die Wirtschaftsdaten sind für entwickelte Staaten traumhaft, Demographie ebenso... erreicht primär mit einem Regierungschef dessen zuvorderst Ziel es ist eben keine heißen Eisen zu schmieden, sondern den Status Quo möglichst gut zu verwalten.
Der letzte Regierungschef der etwas anderes versucht hat war Ariel Sharon. Von seinem einseitigen Abzug aus Gaza führt eine sehr direkte Linie zu dem Desaster des 7. Oktober und dem Krieg gegen die Hamas.
Entsprechend gibt es in der Bevölkerung keinen Rückhalt für weitere Volten dieser Art. Netanyahu konnte sich vor allem deswegen solange an der Spitze der israelischen Politik behaupten; die Wähler wissen, dass es mit ihm keine Experimente geben wird. Das sollten wir hierzulande eigentlich gut verstehen, wir hatten ja bis vor kurzen auch so eine politische Figur, die mit dem Slogan 'Sie kennen mich' recht erfolgreich in die Wahlkämpfe gezogen ist.
Das ist die politische Realität. Aber hat Netanyahu so unrecht mit seinem Kurs? Es hat lange Jahre gut bis sehr gut funktioniert und auch der 7. Oktober war kein Event, dass zwangsläufig hätte so ablaufen müssen, wie es abgelaufen ist. Wenn überhaupt zeigt die Entwicklung in Gaza, dass man den Herrschaften dort mit wirtschaftlicher Unterstützung und Arbeitsmöglichkeiten in Israel noch viel zu weit entgegengekommen ist.
Auf der anderen Seite zeigen aber die Unruhen aufgrund der Justizreform, dass in der israelischen Gesellschaft ein enormes Potential zum Aufruhr steckt. Und beileibe nicht nur von linkspopulistischer Seite.
Eine Räumung von Siedlungen im Westjordanland beispielsweise würde heute, selbst wenn sie nur in der übersichtlichen Größenordnung des Abzugs aus Gaza stattfinden würde, zu Verwerfungen führen, die das Land nicht nur an den Rand, sondern wahrscheinlich direkt in einen Bürgerkrieg führen würden.
Was soll also gemacht werden? Von dir höre ich immer nur, dass der Status Quo ganz unweigerlich in eine fürchterliche Zukunft führen wird. Vielleicht hast du recht, vielleicht nicht. Allerdings hilft diese mögliche Erkenntnis nichts, wenn du keine politisch gangbaren Vorschlägen bringen kannst, die zu einer positiven Veränderung des Status Quo führen würden.
Welche Handlungsoptionen hat ein Netanyahu tatsächlich? Welche hätte ein möglicher Nachfolger Gantz oder Bennett? Sich hinzustellen und zu postulieren, dass die Gesamtsituation unbefriedigend ist und die Zukunft nicht besser wird ist keine Lösung. Von Dingen zu träumen, die in einer pluralistischen Demokratie nicht umsetzbar sind auch nicht.