05.08.2024, 11:36
(05.08.2024, 06:35)Quintus Fabius schrieb: Natürlich gehört die Beteiligung an der Verteidigung von Verbündeten und unter bestimmten Umständen auch von befreundeten Staaten dazu, aber das wesentlichste Wort ist hier - vernunftgeleitet.Der Sinn eines dauerhaften Bündnisses besteht gerade darin, sicherzustellen, dass sich zwei Staaten auch dann beistehen, wenn ihre jeweilige Interessenslage nicht kongruent ist (wäre sie kongruent, könnten sie auch ohne formelles Bündnis situationsbezogen gemeinsame Sache machen). Wann aber wäre die Interessenslage zweier Staaten jemals kongruent? Mit Deiner Einschränkung könnte es ein dauerhaftes Bündnis wie die NATO nicht geben. So ist bspw. nicht leicht zu ersehen, warum es vernünftig sein sollte, Litauen zu verteidigen und für einen Pups in der Landschaft den Dritten Weltkrieg zu riskieren.
(05.08.2024, 06:35)Quintus Fabius schrieb: Israel ist nicht unser Verbündeter. Und eine vernunftgeleitete Realpolitik ist keine subjektive Ansichtssache. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Israel keineswegs ein befreundeter Staat ist.Es besteht kein formelles Bündnis mit Israel, aber es bestehen vertragliche Kooperationen in praktisch allen Ressorts auf Kabinettsebene (insb. Verteidigung und Kultur). Israel ist demnach durchaus ein befreundeter Staat, auch ohne formellen Freundschaftsvertrag (den wir nicht einmal mit allen unseren Verbündeten in der NATO haben). Wo Deutschland nicht die Partnerschaft mit einem Staat sucht, gibt es kein formelles Regierungshandeln, das den Eindruck der Freundschaft erwecken könnte, sondern es bestehen nur halböffentliche oder private Kontakte (z.B. Goethe-Institut, binationale Handelskammern).
(05.08.2024, 06:35)Quintus Fabius schrieb: Ob und wie weit wir daher Israel unterstützen sollte nicht als Selbstzweck unsere Politik sein, sondern nur und allein in Bezug auf unseren Eigennutz hin betrachtet werden.Mit Verlaub, es ist völlig unrealistisch, dass die Bundesrepublik Deutschland den Staat Israel wie jeden anderen Staat behandelt. Ein Land, das nur bestehen muss und nur deshalb so verbissen verteidigt wird, weil Deutsche vor achtzig Jahren alle Juden der Welt ausrotten wollten.
Davon abgesehen ist eine rein auf Eigennutz zielende Außenpolitik heutzutage nicht mehr durchsetzbar – nicht zuletzt im Inland –, und das ist wohl auch gut so, wenn man die sinkende Zahl der Kriege weltweit betrachtet.
(05.08.2024, 06:35)Quintus Fabius schrieb: Und inwiefern nützt es uns, Israel militärisch zu unterstützen ?! Worin soll da der konkrete Nutzen für diese Bundesrepublik liegen ?Harte Worte, aber wenn Du harte Fakten möchtest, wie wäre es mit folgenden Argumenten:
Dieses Staatsräsongefasel in Bezug auf Israel ist einfach nur irrational und erfolgt nicht aus einer Nützlichkeitsüberlegung, sondern aus ganz anderen, rein ideellen und irrationalen Motiven heraus.
- Israel ist unser wichtigster Handelspartner der Region (in manchen Fällen ist das Handelsvolumen höher, aber Halbleiter sind für uns wirtschaftlich wichtiger als Datteln)
- Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten und der einzige Staat der Region ausgenommen Ägypten, Jordanien und Türkei, wo nicht die Mehrheit der Bevölkerung die Zerstörung eines Nachbarlandes (eben Israel) und eine kriegsgefährliche revisionistische Außenpolitik befürworten. Jeder große Krieg im Nahen Osten würde irreguläre Migrationsströme auslösen und terroristische Organisationen beflügeln.
Und sollte nun der Einwurf kommen, wie er von manchen Deutschen schon in puncto Ukraine geäußert wurde – wenn wir X unterstützen, warum nicht auch Y, da ist die Lage ähnlich; nun, in meinen Augen würde sich dieses Argument auf dem Niveau von "wenn du einem Bettler was gibst, musst du allen Bettlern was geben" bewegen …