30.03.2024, 09:05
Helios:
Das sehe ich ja ganz genau so, und dass ist ja gerade eben eine übliche Kritik von mir in Bezug auf Drohnen. Man denkt, man könne hier sehr einfach eine große Masse an Einheiten erzeugen, aber so ist es in der Realität nicht, diese Masse bindet auch eine Masse Personal.
Im übrigen hat so eine Gruppe natürlich mehrere Drohnen dabei, aber die setzt man nicht alle gleichzeitig ein, sondern nacheinander. Denn es gehen ständig Drohnen verloren, durch EW, durch Fehlfunktionen, weil sie abgeschossen werden, weil sie durch den Angriff selbst verbraucht wurden usw. Also hat so eine Gruppe sagen wir 4 Drohnen dabei (auf 8 Mann), aber das heißt nicht, dass die alle 4 gleichzeitig unterwegs sind, sondern zunächst mal nur eine. Man testet sogar manchmal zunächst den Feind ab, man schickt also zuerst eine Drohne und schaut mal was passiert. Dann schickt man eine zweite je nach den Ergebnissen des ersten Versuches usw.
Es gibt noch einen Aspekt den ich noch gar nicht genannt hatte und der dazu führt, dass die Drohnengruppen soviel Personal binden: man ist in einer solchen Gruppe nicht so direkt vorne und die meisten Menschen wollen halt einfach überleben, haben Todesangst und sie wollen im Stress eines großen Krieges irgendeine Tätigkeit ausüben welche sie beherrschen und neigen dann dazu irgendwelche eigentlich gar nicht notwendigen Tätigkeiten auszuüben, obwohl diese keinen Sinn machen. Aus solchen irrationalen, psychologischen Gründen schleppen Drohnentrupps ebenfalls mehr Personal mit sich rum als sie zwingend benötigen würden.
Man muss immer im Krieg die vielen psychologischen Einwirkungen mit berücksichtigen, dass wird heillos unterschätzt. Und das ist auch ein Problem in Bezug auf Übungen / Manöver, bei denen ja jeder weiß, dass er nicht real sterben wird. Soldaten verhalten sich dabei ganz anders als im Echteinsatz und die Qualität des Könnens geht im Echteinsatz deutlich runter und zwar umsomehr, je gefährlicher dieser ist und je höher das Risiko wird dabei tatsächlich zu sterben oder verstümmelt zu werden.
Nun ist die beschriebene Personalbindung gar nicht so problematisch, wenn diese Gruppen / Einheiten eigentlich Kampftruppe wären und der Drohneneinsatz nur nebenbei erfolgt. Also wenn diese auch regulär kämpfen - und die Drohnen halt nur ein Teil der Bewaffnung dieser Infanteriegruppe sind. Und es gibt natürlich auch Infanterie wo das der Fall ist, dann ist da die Drohne nur ein Teil der Gesamtbewaffnung der Einheit. Aber: sehr viele Drohnengruppen machen eben nichts anderes, die sind also nur mit ihrer Drohne beschäftigt und benutzen dies (bewusst oder unterbewusst) um eben nicht in vorderster Front als Kampfeinheit auf das Ende per Artilleriegranate zu warten.
Wie beschrieben gibt es eben (über irrationale / psychologische Faktoren hinaus) durchaus gute Gründe mehr Personal dafür zu verwenden, ob das einem nun gefällt oder nicht. Man unterschätzt immer ganz allgemein im Friedensbetrieb, dass absolut alles im Krieg mit der Zeit mehr Personal benötigt und bindet.
Das reicht ja weit über Drohnen hinaus. Deshalb bin ich beispielsweise auch ein Befürworter von mehr Personal in Fahrzeugen / Panzern, und wenn diese nicht direkt in dem Panzer mitfahren, so muss man doch Zusatzpersonal zumindest in der Nähe bereit halten, und ebenso auch von größeren Infanteriegruppen (die dann im Krieg ohnehin sehr schnell immer deutlich kleiner werden und dann auch auf dieser geringeren Mannzahl verbleiben). Denn wenn ich von vornherein mit einer kleineren Gruppe im Frieden plane, wird diese im Krieg nochmal kleiner sein und kann dann dadurch dysfunktional werden. Und das ist noch ohne den ganzen Rattenschwanz vom Regieaufwand her und gilt selbst dann, wenn man keine Personakosten hat weil die Soldaten einfach per Wehrpflicht in den Dienst gezwungen wurden.
Und so ist das auch beim Einsatz von Drohnen. Aber das gilt wie gesagt ganz allgemein, jedes System erzeugt einen nach hinten reichenden Gesamtpersonalaufwand, von der Rekrutierung der Soldaten über deren Verwaltung und Versorgung bis hin zu Essen, Schlafen, Verletzte und Kranke usw.
Und dann tritt noch der Umstand dazu, dass viele Menschen mit Absicht diesen Regieaufwand dafür benutzen um sich vor ihem unausweichlichen Tod / Verstümmelung zu "drücken". (keine Kritik, ist ja ganz logisch dass dem so ist). Viele machen das nicht einmal bewusst aus Feigheit (wobei der Begriff Feigheit hier nicht passt), sondern sie reden sich selbst ein, dass das was sie tun wichtig und gut ist und dass sie damit eventuell sogar mehr leisten als diejenigen welche einfach nur passiv im Graben hocken um dort auf den Einschlag zu warten.
Das ist wie bei einem Feuerkampf der Infanterie, wo ein Soldat dann anfängt Munition zu sortieren statt mitzuschießen und meint, dass wäre wichtig. Er tut dies weil dieses Mikromanagement eine Stressreaktion ist. Und er tut es unbewusst. Und so drücken sich halt auch gerne dann überzählige Soldaten in solche Verwendungen wie eine Drohnengruppe. Das ist der gleiche Effekt wie bisher bei Stäben / Versorgung usw. da haben sich auch schon immer aus den gleichen Gründen Soldaten gestaut.
Was müsste also getan werden: man müsste solche günstigen Kleindrohnen zu Mitteln machen, welche nur und ausschließlich nur von Kampftruppen als Teil von ihrer Bewaffnung eingesetzt werden, wobei diese Kampfeinheiten eigentlich einen anderen Primärauftrag haben. Und diese Systeme müssen daher auf die unterste Ebene. Stattdessen gibt es in der Ukraine immer mehr reine Drohnengruppen die nichts anderes tun als Drohnen einzusetzen und die ansonsten eben keinen anderen Auftrag haben. Das heißt nicht, dass alle so sind, und viele Drohnengruppen arbeiten direkt einer Kompanie zu usw. aber es springen immer mehr spezialisierte Gruppen herum und nun hat man ja sogar eine eigene Teilstreitkraft dafür eröffnet, was ich rein persönlich für einen Fehler halte bzw. für risikoreich wenn man die Sache damit verschlimmert.
Zitat:es geht hier um den Personaleinsatz für vermeintlich billigste Systeme, die vor allem über die Quantität ihre Kampfkraft erzeugen sollen. In meinen Augen stimmt hier der Gesamtapparat nicht in Relation zum Individualwert,
Das sehe ich ja ganz genau so, und dass ist ja gerade eben eine übliche Kritik von mir in Bezug auf Drohnen. Man denkt, man könne hier sehr einfach eine große Masse an Einheiten erzeugen, aber so ist es in der Realität nicht, diese Masse bindet auch eine Masse Personal.
Im übrigen hat so eine Gruppe natürlich mehrere Drohnen dabei, aber die setzt man nicht alle gleichzeitig ein, sondern nacheinander. Denn es gehen ständig Drohnen verloren, durch EW, durch Fehlfunktionen, weil sie abgeschossen werden, weil sie durch den Angriff selbst verbraucht wurden usw. Also hat so eine Gruppe sagen wir 4 Drohnen dabei (auf 8 Mann), aber das heißt nicht, dass die alle 4 gleichzeitig unterwegs sind, sondern zunächst mal nur eine. Man testet sogar manchmal zunächst den Feind ab, man schickt also zuerst eine Drohne und schaut mal was passiert. Dann schickt man eine zweite je nach den Ergebnissen des ersten Versuches usw.
Es gibt noch einen Aspekt den ich noch gar nicht genannt hatte und der dazu führt, dass die Drohnengruppen soviel Personal binden: man ist in einer solchen Gruppe nicht so direkt vorne und die meisten Menschen wollen halt einfach überleben, haben Todesangst und sie wollen im Stress eines großen Krieges irgendeine Tätigkeit ausüben welche sie beherrschen und neigen dann dazu irgendwelche eigentlich gar nicht notwendigen Tätigkeiten auszuüben, obwohl diese keinen Sinn machen. Aus solchen irrationalen, psychologischen Gründen schleppen Drohnentrupps ebenfalls mehr Personal mit sich rum als sie zwingend benötigen würden.
Man muss immer im Krieg die vielen psychologischen Einwirkungen mit berücksichtigen, dass wird heillos unterschätzt. Und das ist auch ein Problem in Bezug auf Übungen / Manöver, bei denen ja jeder weiß, dass er nicht real sterben wird. Soldaten verhalten sich dabei ganz anders als im Echteinsatz und die Qualität des Könnens geht im Echteinsatz deutlich runter und zwar umsomehr, je gefährlicher dieser ist und je höher das Risiko wird dabei tatsächlich zu sterben oder verstümmelt zu werden.
Nun ist die beschriebene Personalbindung gar nicht so problematisch, wenn diese Gruppen / Einheiten eigentlich Kampftruppe wären und der Drohneneinsatz nur nebenbei erfolgt. Also wenn diese auch regulär kämpfen - und die Drohnen halt nur ein Teil der Bewaffnung dieser Infanteriegruppe sind. Und es gibt natürlich auch Infanterie wo das der Fall ist, dann ist da die Drohne nur ein Teil der Gesamtbewaffnung der Einheit. Aber: sehr viele Drohnengruppen machen eben nichts anderes, die sind also nur mit ihrer Drohne beschäftigt und benutzen dies (bewusst oder unterbewusst) um eben nicht in vorderster Front als Kampfeinheit auf das Ende per Artilleriegranate zu warten.
Zitat:Du magst dir das ja operativ irgendwie herleiten können, aber es geht hier um den Personaleinsatz für vermeintlich billigste Systeme
Wie beschrieben gibt es eben (über irrationale / psychologische Faktoren hinaus) durchaus gute Gründe mehr Personal dafür zu verwenden, ob das einem nun gefällt oder nicht. Man unterschätzt immer ganz allgemein im Friedensbetrieb, dass absolut alles im Krieg mit der Zeit mehr Personal benötigt und bindet.
Das reicht ja weit über Drohnen hinaus. Deshalb bin ich beispielsweise auch ein Befürworter von mehr Personal in Fahrzeugen / Panzern, und wenn diese nicht direkt in dem Panzer mitfahren, so muss man doch Zusatzpersonal zumindest in der Nähe bereit halten, und ebenso auch von größeren Infanteriegruppen (die dann im Krieg ohnehin sehr schnell immer deutlich kleiner werden und dann auch auf dieser geringeren Mannzahl verbleiben). Denn wenn ich von vornherein mit einer kleineren Gruppe im Frieden plane, wird diese im Krieg nochmal kleiner sein und kann dann dadurch dysfunktional werden. Und das ist noch ohne den ganzen Rattenschwanz vom Regieaufwand her und gilt selbst dann, wenn man keine Personakosten hat weil die Soldaten einfach per Wehrpflicht in den Dienst gezwungen wurden.
Und so ist das auch beim Einsatz von Drohnen. Aber das gilt wie gesagt ganz allgemein, jedes System erzeugt einen nach hinten reichenden Gesamtpersonalaufwand, von der Rekrutierung der Soldaten über deren Verwaltung und Versorgung bis hin zu Essen, Schlafen, Verletzte und Kranke usw.
Und dann tritt noch der Umstand dazu, dass viele Menschen mit Absicht diesen Regieaufwand dafür benutzen um sich vor ihem unausweichlichen Tod / Verstümmelung zu "drücken". (keine Kritik, ist ja ganz logisch dass dem so ist). Viele machen das nicht einmal bewusst aus Feigheit (wobei der Begriff Feigheit hier nicht passt), sondern sie reden sich selbst ein, dass das was sie tun wichtig und gut ist und dass sie damit eventuell sogar mehr leisten als diejenigen welche einfach nur passiv im Graben hocken um dort auf den Einschlag zu warten.
Das ist wie bei einem Feuerkampf der Infanterie, wo ein Soldat dann anfängt Munition zu sortieren statt mitzuschießen und meint, dass wäre wichtig. Er tut dies weil dieses Mikromanagement eine Stressreaktion ist. Und er tut es unbewusst. Und so drücken sich halt auch gerne dann überzählige Soldaten in solche Verwendungen wie eine Drohnengruppe. Das ist der gleiche Effekt wie bisher bei Stäben / Versorgung usw. da haben sich auch schon immer aus den gleichen Gründen Soldaten gestaut.
Was müsste also getan werden: man müsste solche günstigen Kleindrohnen zu Mitteln machen, welche nur und ausschließlich nur von Kampftruppen als Teil von ihrer Bewaffnung eingesetzt werden, wobei diese Kampfeinheiten eigentlich einen anderen Primärauftrag haben. Und diese Systeme müssen daher auf die unterste Ebene. Stattdessen gibt es in der Ukraine immer mehr reine Drohnengruppen die nichts anderes tun als Drohnen einzusetzen und die ansonsten eben keinen anderen Auftrag haben. Das heißt nicht, dass alle so sind, und viele Drohnengruppen arbeiten direkt einer Kompanie zu usw. aber es springen immer mehr spezialisierte Gruppen herum und nun hat man ja sogar eine eigene Teilstreitkraft dafür eröffnet, was ich rein persönlich für einen Fehler halte bzw. für risikoreich wenn man die Sache damit verschlimmert.