Iranisches Atomprogramm
Naja...

Odom ist ein relativ bekannter Militärexperte, der auch schon einiges über die RMA geschrieben hat und über Brzezinski sollte man eigentlich keine Worte verlieren müssen, immerhin ist er der außenpolitische Hardliner der Demokraten und ein beinharter Realist und Machtdenker.

Ich denke, dass beide Autoren sehr gut wissen, wovon sie schreiben und fehlerhafter und unzureichender als der bisherige "neokonservative" Außenpolitikansatz kann ja eigentlich kein neuer sein....

Um es kurz zu machen: Auch wenn manche scheinbar nicht das Konzept verstehen, so steckt zumindest doch viel Wahrheit hinter den Ausführungen von Odom und Brzezinski. Meines Erachtens muss man einfach gegenüber der Politik der letzten 8 Jahre kritisch sein, alles andere ist ein Ausweis eigener außenpolitischer Inkompetenz und oder einer individueller ideologischen Verbohrtheit (die allerdings selbst Leute wie Fukuyama oder andere Neokonservative schon längst verloren haben, schließelich haben sie sich von der jetzigen Politik distanziert...). Die Politik der letzten 8 Jahre hat insbesondere gegenüber dem Iran so viele Fehler gemacht und die Ausgangslage für einen neuen Präsidenten derart verschlechtert, dass alles andere als Kritik und Neuanfang wenig funktional und problemorientiert ist!

Heute könnten die Beziehungen zum Iran ganz anders aussehen. Tun sie aber nicht und das liegt nicht nur an der innenpolitischen Fragilität des Irans und des dortigen stetig latenten Machtkampfes, sondern auch an der Verbohrtheit und Engstirnigkeit der Bush-Administration! Ahmedinedschad hatte lange Zeit in Bush einen tendenziell ähnlich radikalen und engstirnigen Counterpart, kein Wunder, dass die Beziehungen und die Probleme so schlecht bzw. so zahlreich sind!

In die nähere Analyse will ich nicht mal gehen, die wurde hier schon zig mal von mir, Erich, Shahab und anderen durchgeführt, daher nur stichpunktartig die Determinanten und Axiome des Iranisch-amerik. Verhältnisses:
- originäre Gegnerschaft von Iran und USA, da Khomenis Iran nicht mehr Vasall der USA sein wollten und sich gegen die USA positionierten
- lange Zeit feindseelige ethisch-weltanschauliche Differenzen
- starke und sich ausweitende Präsenz der USA in Nahen und Mittleren Osten, eine zunehmende Dominanz der USA ab 1990
- Gleichgültigkeit der USA gegenüber ersten Liberalisieurngstendenzen im Iran --> weiterhin Ausbau der Machtstellung am Golf
- Verschärfung der amerikanischen Außenpolitik ab 9/11
- Gleichgültigkeit gegenüber iranischer Hilfe in Afghanistan, Ablehnung von Gesprächs- und Verhandlungsangeboten 2003 durch die US-Adminstration --> gleichbedeutend mit der Abweisung einer relativ konzilanten reformorientierten iranischen Regieurng unter Chatami
- Einkreisung des Iran durch die USA (Afghanistan, Golf, Irak)
- innenpolitische Radikalisierung im Iran ab 2005
- "Eskalationsspirale" zwischen einer aggressiven iranischen und einer aggressiven amerikanischen Außenpolitik seit 2005; Konfliktfelder Golf, Libanon, Irak...

Nimmt man alle diese Punkte zusammen, dann sieht man, dass eine bloße Drohung militärischer Schläge keine sinnvolle Politik darstellt, sondern allenfalls ein kleines Element sein kann, was aber richtig eingebettet sein muss. Denn der Atomkonflikt ist nunmal auch keine eigenständige Frage (auch wenn sie sehr zentral und wichtig ist), sondern ist eingebettet in die gesamten amerik.-iranischen Machtbeziehungen und damit in das gesamte machtpolitische Spiel im Nahen und Mittleren Osten.
Da braucht man sehr, sehr viel mehr, um auch nur ansatzweise berechtigt von einer "Iranpolitik" sprechen zu können. Da muss Syrien, die Golfstaaten, Israel in teilen, aber auch die direkten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen, aber auch der Irak eine Rolle spielen.
Brezezinski und Odom weisen daher in die richtige Richtung, dass man eine neue Politik gegenüber dem Iran, wie gegenüber der ganzen Nah Ost Region braucht. Alles andere führt nur zur weiterne Eskalation der Verhältnisse.

Das, das ist zentral und relevant...
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