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(16.04.2026, 20:40)Kongo Erich schrieb: wer gezielt auf UN-Einheiten feuert, egal ob mit Panzer oder was weiß ich, ist "Täter". In aller Regel wird das auch nicht geschehen. Worüber du dich hier empörst sind schlicht für dynamische Lagen sehr gewöhnliche Friktionen. Israel hat in den letzten Wochen eigene Soldaten und Zivilisten (!) durch eigenes Feuer getötet. Nicht weil man sonderlich inkompetent wäre, sondern schlicht weil schon angesichts von Intensität und Umfang der Kampfhandlungen Irrtümer nicht ausgeschlossen sind.
Weiterhin kann angesichs der Verflechtung von UNIFIL und Hezbollah-Positionen auch die Niederhaltung von UNIFIL-Einheiten im Sinne der Auftragserfüllung notwendig und legitim sein, was schnell zu ungewollten Folgewirkungen führen kann.
Umso wichtiger wäre es, dass die UNIFIL sich aus der Schusslinie nimmt anstatt die Situation am Boden durch die eigene Präsenz noch weiter zu verkomplizieren.
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Ironie on:
Umso wichtiger wäre, dass Israel seine Soldateska zurück hält - wenn die Bagage schon nicht in der Lage ist, zwischen UN-Friedenstruppen, einfachen arabischen Bauern und Terroristen zu unterscheiden.
Inzwischen fordern Hunderte EU-Diplomatinnen und -Diplomaten Sanktionen gegen Israel - und das nicht ohne Grund: Zitat:Die Diplomatinnen und Diplomaten erinnern in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung daran, dass das Assoziationsabkommen laut Paragraf 2 auf der beidseitigen „Achtung der Menschenrechte und der Grundsätze der Demokratie“ gründe. Dagegen verstoße Israel im Westjordanland, im Gazastreifen und nun auch im Libanon fortwährend. Sie verweisen zudem auf das kürzlich von der Knesset beschlossene Gesetz, das die Todesstrafe für tödliche Terrortaten vorsieht und faktisch nur für Palästinenser:innen gilt. Diese „abscheuliche Gesetzgebung“ erinnere an einen Apartheidsstaat, so die Unterzeichnenden, zu denen auch der frühere EU-Außenbeauftragte Josep Borrell gehört.
Die armen und in die Enge getriebenen Israelischen Soldaten machen offensichtlich alles, um ein vernünftiges Miteinander zu sabotieren.
Aktuell von heute morgen:
Zitat: +++ 03:45 Libanesische Armee wirft Israel Verstöße gegen Waffenruhe vor +++
Der Libanon hat Israel wenige Stunden nach Inkrafttreten einer Waffenruhe Verstöße gegen die Vereinbarung vorgeworfen. Die libanesische Armee erklärt am frühen Morgen im Onlinedienst X, es seien "mehrere israelische Aggressionen registriert worden". Die pro-iranische Hisbollah-Miliz teilt mit, sie habe als Vergeltungsmaßnahme "eine Ansammlung israelischer Soldaten in der Nähe der Stadt Chiam" im Südlibanon bombardiert. US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor erklärt, er hoffe, dass die Hisbollah sich während der Waffenruhe "anständig" verhalte. "Es wird ein großartiger Moment für sie sein, wenn sie das tun", schrieb Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social. "Kein Töten mehr. Es muss endlich Frieden geben."
...
Aber Israel darf das ja, und die Hisbollah verhält sich "anständig", wenn sie nicht zurückschlägt.
Ich wusste gar nicht, dass Donald so ein wortgetreuer und kirchentreuer Verfechter der Bibel und der Thesen von Papst Leo ist.
Ironie out.
Und wenn das "Niederhalten (sprich der gezielte Beschuss) von UN-Einheiten" in Erfüllung der Auftragslage notwendig ist, dann ist die Auftragslage falsch - so einfach ist das.
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(Gestern, 09:28)Kongo Erich schrieb: Ironie on:
Umso wichtiger wäre, dass Israel seine Soldateska zurück hält - wenn die Bagage schon nicht in der Lage ist, zwischen UN-Friedenstruppen, einfachen arabischen Bauern und Terroristen zu unterscheiden. Das Selbstverteidigungsrecht wird freilich nicht durch die Präsenz einer UN-Truppe ausgehebelt. Erst recht nicht durch eine Truppe, die sich weigert abzuziehen und mit einer Terrororganisation zusammenarbeitet.
Zitat:Inzwischen fordern Hunderte EU-Diplomatinnen und -Diplomaten Sanktionen gegen Israel - und das nicht ohne Grund:
Freilich ohne Grund. Das beschlossene Gesetz zur Todesstrafe ist a) im Grundsatz richtig, b) wird gerichtlich eh kassiert und c) keinesfalls Ausdruck irgendeiner Apartheid. Das sich die üblichen Bessermenschen sich wieder nicht zu Schade sind, darüber antiisraelische Propaganda zu forcieren ist keine Überraschung.
Zitat: Aber Israel darf das ja, und die Hisbollah verhält sich "anständig", wenn sie nicht zurückschlägt.
In der Tat darf Israel das. Vielleicht mal das gestrige Abkommen lesen. Und die Hezbollah darf garnichts. Das ist eine Terrororganisation ohne irgendwelche gesonderten Rechte außer dem bedingungslos zu kapitulieren.
Zitat:Und wenn das "Niederhalten (sprich der gezielte Beschuss) von UN-Einheiten" in Erfüllung der Auftragslage notwendig ist, dann ist die Auftragslage falsch - so einfach ist das.
Nein. Wenn UN-Einheiten sich in unmittelbarer Nähe zu Hezbollah-Stellungen befinden sind sie in der Verantwortung wenn sie in die Kämpfe verwickelt werden und gegegn sie etwa Blendgranaten eingesetzt oder Beobachtungsgerät zerstört wird. Entsprechend ist es geboten, dass sich die Herrschaften aus der Schusslinie entfernen und nicht als Schutzschild für die Hezbollah fungieren.
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Du verstehst den Mechanismus nicht, der einer UN-Mission zugrunde liegt. Der besteht nicht darin, eine hoch gerüsteten Seite nieder zu kämpfen. Das - wenn ich mich recht erinnere - war allenfalls noch im Korea-Krieg der Fall.
Dieser Mechanismus besteht darin, jeden Angriff auf die andere Seite zugleich zu einem rechtswidrigen Angriff auf die UN-Truppen zu machen. Wer das vermeiden will, muss sich zurück halten. Der Respekt vor den Blauhelmen und dem durch sie sichtbaren Völkerrecht soll die Waffenruhe stärken.
Dass UN-Friedenstruppen präsent sind und alleine durch ihre Präsenz die Operationsfreiheit der Beteiligten einschränken - wenn sie denn rechtstreu handeln wollen - ist der entscheidende Faktor. Sonst könnte man bei hochgerüsteten Staaten wie Israel gleich auf solche Missionen verzichten.
Und wer fordert, die Blauhelme nachhause zu schicken, weil sie gerade der politisch vorgegebenen "Auftragslage im Wege" stehen, der kann gleich von Anfang an auf die Blauhelme verzichten.
UN-Truppen sind nicht dazu da, nach Lust und Laune einer Seite hin- und hergeschoben zu werden.
Sie besetzen Schlüsselstellungen. Und es wird zurecht gefordert, dass diese UN-Truppen "sacrosant" sind, d,h., dass sie nicht nach Lust und Laune einer wie auch immer formulierten "Auftragslage" einer Seite beschossen werden. Nur so können die (meist ohnehin nur symbolisch zum Selbstschutz bewaffneten) UN-Einheiten auch wirklich "Wirkung entfalten".
Und dazu gehört, dass diejenigen, die trotzdem UN-Soldaten beschießen (was ein klarer rechtswidriger Akt ist), oder durch die "Auftragslage" den Beschuss vorgeben, dann auch zur Verantwortung gezogen werden. Und zwar durch die gesamte Völkergemeinschaft.
Dass sich die üblichen Kriegshetzer nicht daran halten wollen, ändert am Prinzip nichts. Es wird dann allerdings Zeit, das Prinzip auch gemeinsam durch zu setzen. Und zwar - im konkreten Fall - auch mit Sanktionen gegen Israel.
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(Gestern, 11:01)Kongo Erich schrieb: Du verstehst den Mechanismus nicht, der einer UN-Mission zugrunde liegt.
Der besteht nicht darin, eine hoch gerüsteten Seite nieder zu kämpfen. Das - wenn ich mich recht erinnere - war allenfalls noch im Korea-Krieg der Fall.
Dieser Mechanismus besteht darin, jeden Angriff auf die andere Seite zugleich zu einem rechtswidrigen Angriff auf die UN-Truppen zu machen. Wer das vermeiden will, muss sich zurück halten. Der Respekt vor den Blauhelmen und dem durch sie sichtbaren Völkerrecht soll die Waffenruhe stärken.
Dass UN-Friedenstruppen präsent sind und alleine durch ihre Präsenz die Operationsfreiheit der Beteiligten einschränken - wenn sie denn rechtstreu handeln wollen - ist der entscheidende Faktor. Sonst könnte man bei hochgerüsteten Staaten wie Israel gleich auf solche Missionen verzichten. Übersetzt: Du meinst es sei Aufgabe der UNIFIL durch ihre Präsenz zu verhindern, dass Israel die Hezbollah im Libanon angreift. Das ist defakto sicher richtig. Der tatsächliche politische Sinn der UNIFIL-Mission war es stets den Status Quo ante möglichst zu erhalten und ein Umfeld zu gestalten, in der die Hezbollah ihre Fähigkeiten im Libanon möglich ungestört ausbauen kann.
Dummerweise sagt das offizielle Mandat dieser Mission halt was anderes. Demnach wäre man nicht nur verpflichtet gewesen die Libanesischen Streitkräfte bei der Entfernung der Hezbollah aus dem Südlibanon zu unterstützen, man wäre auch mandatiert gewesen selbst proaktiv militärische Gewalt gegen die Hezbollah im Südlibanon anzuwenden.
Offizielle Intention des Mandats war es jenseits der eigentlichen politischen Zielsetzungen diverser Mandatsträger insofern eben nicht, lediglich für eine "Befriedung" des Konflikts durch bloße Präsenz zu sorgen, sondern im Gegenteil, den Konflikt durch militärischen Zwang gegenüber der Hezbollah zu beenden.
Dazu ist es freilich nie gekommen, zuvorderst weil weder die Libanesische Regierung noch die Truppensteller von UNIFIL irgendwie Bock gehabt hätten sich mit der Hezbollah anzulegen und es den allermeisten ganz recht gewesen ist, das die Hezbollah ihre Fähigkeiten im Südlibanon unter dem Schutzschild der UN-Blauhelme ausbaut.
Zweit Jahrzehnte nach 2006 ist ihr böses Spiel allen Beteiligten um die Ohren geflogen. UNIFIL hat gemessen an ihrem Auftrag komplett und vollständig versagt, Leidtragende ist in erster Linie die libanesische und durch einen Kriegsverlauf den man irgendwo zwischen 'mehr Glück als Verstand' und 'Gottes Fügung' einzuordnenden Kriegsverlauf in weitaus geringeren Umfang auch die israelische Zivilbevölkerung.
Sicherlich frustet das so manche Player, ändert aber nicht daran, das diese Schimäre jetzt zu Ende geht und dank Donalds UN-Allergien aller Wahrscheinlichkeit nach auch kein Revival erfährt.
(Gestern, 11:01)Kongo Erich schrieb: Und wer fordert, die Blauhelme nachhause zu schicken, weil sie gerade der politisch vorgegebenen "Auftragslage im Wege" stehen, der kann gleich von Anfang an auf die Blauhelme verzichten.
UN-Truppen sind nicht dazu da, nach Lust und Laune einer Seite hin- und hergeschoben zu werden. Tatsächlich ist das historisch betrachtet die primäre Aufgabe von UN-Truppen. Lediglich wenn es um, verzeihung, gegen Israel geht findet sie eine gewisse Standfestigkeit. Schon komisch das.
Die Truppe hat nach Strich und Faden versagt, ihren Auftrag bewusst nicht erfüllt und behindert die auch angesichts des Versagen der UN völlig legitime Selbstverteidigung Israels. Es wäre klug sie endlich abzuziehen (was in ein paar Monaten eht gesschehen wird) andernfalls wird sie weiterhin zwischen die Fronten geraten. Nicht weil die IDF es groß darauf anlegen würde sonderlich schlicht weil es nicht zuletzt wegen der bestehenden Verflechtungen mit der Hezbollah nicht zu vermeiden ist.
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(Gestern, 12:05)Nightwatch schrieb: Übersetzt: Du meinst es sei Aufgabe der UNIFIL durch ihre Präsenz zu verhindern, dass Israel die Hezbollah im Libanon angreift. ... ich weiß nicht was ich davon halten soll, wenn man meine Aussagen "übersetzt", damit falsch und fehlerhaft interpretiert und dann erklärt, dass das so falsch sei.
Meine Aussage nochmal kurz und prägnant:
1. UNO-Missionen können ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn alle Beteiligten rechtstreu bleiben und deren Status respektieren.
2. Wer das nicht tut und sogar den Tod von Blauhelmen verursacht, der darf damit nicht davon kommen, sondern muss mit entsprechenden Sanktionen und der Strafverfolgung der Täter beschwert werden.
Oder meinst Du im Ernst, die Blauhelme aus dem Südsee-Staat Fiji könnten es im Ernstfall mit hochgerüsteten Armeen an den Stationierungsplätzen aufnehmen?
Und es ist - mit Verlaub - sch...egal, ob jetzt Kongo-Rebellen, eine Nusra-Front oder die israelischen Streitkräfte selbst für diese Missachtung des Rechts verantwortlich sind.
Im Gegenteil: bei einer disziplinierten Armee erwarte ich erst recht und gerade die Kenntnis und Einhaltung der Rechtsnormen und keine marodierende Soldateska.
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Erich schrieb:1. UNO-Missionen können ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn alle Beteiligten rechtstreu bleiben und deren Status respektieren. Nö. Die UNIFIL hatte offiziell den Auftrag robust gegen die Hezbollah vorzugehen. Die Truppe hat sich diesem Auftrag verweigert und zuoft mit der Hezbollah gemeinsame Sache gemacht.
Es war nie ihr Auftrag lediglich dafür zu sorgen, dass sich Israel und Hezbollah nicht in die Haare kriegen. Auch wenn du das gerne anders hättest und man sich defakto auch so verhalten hat.
Aber ihr mandatswidriges Gebaren hat jetzt halt Konsequenzen. Unter anderem die, dass UNIFIL jetzt selber zwischen den Fronten in einer dynamischen Lage zu exponiert dasteht.
Zitat:2. Wer das nicht tut und sogar den Tod von Blauhelmen verursacht, der darf damit nicht davon kommen, sondern muss mit entsprechenden Sanktionen und der Strafverfolgung der Täter beschwert werden.
Das ist halt auf zwei Ebenen falsch.
Zum einen gilt das Recht auf Selbstverteidigung absolut und wird auch nicht durch (erst recht nicht mandatswidrig agierende) Blauhelm-Soldaten eingeschränkt. Die Hezbollah hat am 8. Oktober 2023 Israel angegriffen um die Pogrome der Hamas zu unterstützen. Seitdem herrscht mal wieder ein offener Kriegszustand. UNIFIL ist nicht in der Lage und nicht willens irgendetwas gegen diesen grob völkerrechtswidrigen Angriff zu unterbinden. Entsprechend hat Israel das ob seiner Souveränität unveräußerliche Recht und gegenüber der dem Raketenterror der Hezbollah ausgesetzten Bevölkerung auch die Verpflichtung Krieg gegen die Hezbollah zu führen. Und zwar wenn es sein muss bis zu der vollständigen physischen Vernichtung oder bedingungslosen Kapitulation.
Die Präsenz einer auf ganzer Linie gescheiterten UN-Mission ändert an dieser Rechtslage rein garnichts. Die einzige richtige Option wäre es gewesen, das Scheitern einzugestehen, gegenüber Israel und dem Libanon um Entschuldigung zu bitten und sich vom Acker zu machen. Alternativ hätte man noch anbieten können auf Seiten Israels in den Krieg gegen die Hezbollah einzutreten um endlich mal seien verdammten Mandatspflichten gerecht zu werden, aber wir wollen ja realistisch bleiben.
Zum anderen, der Umstand, dass UNIFIL Soldaten in der jetzigen Lage verletzt oder getötet werden impliziert keinesfalls irgendwie automatisch, dass hier irgendeine rechtswidrige oder gar strafbewehrte Tat im Raum steht. Um mich dazu zu wiederholen, es ist in einer solch dynamischen Lage mit schon einer engen taktischen Nähe von UNIFIL und Hezbollah Positionen normal und zu erwarten, dass Friktionen entstehen die auf Seiten der UNIFIL zu Verlusten führen. Blue on Green ist im Krieg genauso normal wie es Blue on Blue ist und in aller Regel zwar tragisch und bedauerlich, aber nichts was zu irgendwelchen wie auch immer gearteten Maßnahmen führen müsste. Eine Totalimmunität von Blauhelmsoldaten zu postulieren und diese über den Recht auf Selbstverteidigung zu positionieren ist dabei grober Unfug.
Zitat:Oder meinst Du im Ernst, die Blauhelme aus dem Südsee-Staat Fiji könnten es im Ernstfall mit hochgerüsteten Armeen an den Stationierungsplätzen aufnehmen?
Es ist völlig wuppe was die Soldaten der Fiji-Inseln können oder nicht können. UNIFIL hatte den Auftrag robust gegen die Hezbollah vorzugehen. Der Auftrag wurde nicht erfüllt und wenigstens in Teilen agitierte man als Schutzmacht der Hezbollah. Das mag den meisten Beteiligten nördlich der Grenze und noch mehr den geneigten Beobachtern des Konflikts sehr recht gewesen sein, führt im Kriegsfall halt aber nicht zu einer rechtlichen Beschränkung für die IDF. Die IDF darf gegen die Hezbollah vorgehen – mit aller Härte und aller Feuerkraft die man für nötig hält – und wenn da ein paar Blauhelm-Soldaten in irgendwelchen Unterständen neben der Feuerposition der Hezbollah hocken und es in zwanzig Jahren nicht geschafft haben ihr Mandat mal durchzulesen, dann ist das in der taktischen Konsequenz vielleicht bedauerlich, mehr jedoch halt auch nicht.
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Unifil hat den Auftrag die libanesische Armee zu unterstützen mehr nicht . Und das auch nur so weit wie die zur Verfügung stehenden Mittel es erlauben . Ein robustes Mandat ist kein kampfauftrag , UNIFIL ist eine Friedensmission und keine Truppe zur Friedenserzwingung.
Es war nie angedacht das die UN Truppe eigenständig gegen die Hisbollah kämpft, sondern als unterstützende Kraft für die libanesische Armee agiert.
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Zitat:Offizielle Intention des Mandats war es ......eben nicht, lediglich für eine "Befriedung" des Konflikts durch bloße Präsenz zu sorgen, sondern im Gegenteil, den Konflikt durch militärischen Zwang gegenüber der Hezbollah zu beenden.
Nein war es nicht.
Zitat:UNIFIL hatte den Auftrag robust gegen die Hezbollah vorzugehen.
Nein hatte sie nicht.
Die ursprüngliche Intention war stattdessen: Den Abzug der israelischen Besatzungstruppen zu bestätigen, der durch die Resolution 425 gefordert wurde. Und dem folgend die libanesischen Streitkräfte zu unterstützen. Und genau genommen wurde es so formuliert, dass man die libanesische Regierung auf Anfrage hin unterstützen würde.
Dem folgend sollte die Truppe nach 2006 auf Grundlage der Resolution 1701 deutlich vergrößert werden, die Stellungen der Israelis übernehmen und verhindern, dass die Hisbollah bewaffnete Kräfte südlich des Litani hat. Dazu sollte die Truppe 15.000 Mann umfassen und die libanesische Regierung sollte ebenfalls 15.000 Mann stellen, und die ganze Operation unter Führung bzw. im Auftrag der libanesischen Regierung ablaufen. Zudem sollten Seewege kontrolliert und Waffenschmuggel unterbunden werden, was in diesem Kontext immer gerne vergessen wird, zumal Bundeswehrsoldaten bei diesem Part auch heute noch mit dabei sind.
Die Libanesen erteilten aber keine entsprechenden Aufträge, es gab keine entsprechenden Operationen der libanesischen Armee, und darüber hinaus hat UNIFIL II nicht einmal offiziell die Aufgabe die Hisbollah zu entwaffnen, also verblieb lediglich die Unterbindung des Waffenschmuggels an die Hisbollah als offizieller Primärauftrag.
Die steten Behauptungen der Israelis, dass die Hisbollah ihre Stellungen direkt an den Positionen der UNIFIL hat, wurde übrigens seitens der Israelis noch nie mit Beweisen belegt. Aber wozu auch Beweise: der Beschuss von UNIFIL Einheiten, der übrigens seit 2006 immer wieder mal erfolgte, belegt ja wie sonst auch, dass sich unter oder hinter oder direkt neben diesen Stellungen feindliche illegale Kämpfer befinden. Denn es sind ja immer und überall versteckte feindliche illegale Kämpfer, wenn Israel irgendein Ziel beschießt.
Selbst die Marineinheiten wurde ja schon von Israel regelmäßig bedroht oder scharf angegangen. Ich erinnere hier mal an die Vorfälle mit der Fregatte Niedersachen 2007. Aber völlig egal, haben sich halt feindliche illegale Kämpfer unter der Fregatte versteckt oder so......
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Zitat:Nein hatte sie nicht.
Hatte sie sehr wohl. Punkt 12 der Resolution 1701 authorisiert UNIFIL gegen die Präsenz der Hezbollah in ihrem Einsatzgebiet vorzugehen. Und zwar unabhängig von der libanesischen Regierung.
Das die Libanesische Regierung ihren Verpflichtungen aus 1701 genausowenig nachkam ist natürlich richtig.
Zitat:Die steten Behauptungen der Israelis, dass die Hisbollah ihre Stellungen direkt an den Positionen der UNIFIL hat, wurde übrigens seitens der Israelis noch nie mit Beweisen belegt.
Natürlich wurden sie das, es wurde nur ignoriert um später wieder das Gegenteil zu behaupten.
https://www.youtube.com/watch?v=XIz3Eynb5Tw
Zitat:Selbst die Marineinheiten wurde ja schon von Israel regelmäßig bedroht oder scharf angegangen.
Vor zwanzig Jahren sind mal ein paar Jets über ein Flottendienstboot geflogen. Wie ungeheuer erschrecklich. Nach 2006 sind mir überhaupt keine Zwischenfälle bekannt.
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https://docs.un.org/ot/S/RES/1701(2006)
Zitat:12. einem Ersuchen der Regierung Libanons entgegenkommend, eine internationale Truppe zu entsenden, die ihr bei der Ausübung ihrer Autorität im gesamten Hoheitsgebiet behilflich sein soll, ermächtigt die UNIFIL, in den Einsatzgebieten ihrer Truppen alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, die nach ihrem Ermessen im Rahmen ihrer Fähigkeiten liegen, um sicherzustellen, dass ihr Einsatzgebiet nicht für feindselige Aktivitäten gleich welcher Art genutzt wird, allen gewaltsamen Versuchen, sie an der Ausübung ihrer vom Sicherheitsrat mandatierten Pflichten zu hindern, zu widerstehen, das Personal, die Einrichtungen, die Anlagen und die Ausrüstung der Vereinten Nationen zu schützen, die Sicherheit und Bewegungsfreiheit des Personals der Vereinten Nationen und der humanitären Helfer zu gewährleisten und unbeschadet der Verantwortung der Regierung Libanons Zivilpersonen, die unmittelbar von körperlicher Gewalt bedroht sind, zu schützen.
Genau genommen wäre die UNIFIL damit auch berechtigt gegen die Israelis vorzugehen, nur dass sie dafür nach jedem Ermessen genau so wenig die Fähigkeiten hat.
Zitat:Vor zwanzig Jahren sind mal ein paar Jets über ein Flottendienstboot geflogen. Wie ungeheuer erschrecklich. Nach 2006 sind mir überhaupt keine Zwischenfälle bekannt.
2007 - Fregatte Niedersachsen.
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@Kongo Erich
Zitat:Im Gegenteil: bei einer disziplinierten Armee erwarte ich erst recht und gerade die Kenntnis und Einhaltung der Rechtsnormen und keine marodierende Soldateska.
Die israelischen Streitkräfte sind allerdings keine "marodierende Soldateska". Es wäre an dieser Stelle einmal sinnvoll und auch fair, auch einmal darauf hinzuweisen, dass der Großteil der Gefallenen auf Seiten von UNIFIL nicht von den Israelis verursacht wurde.
Grob gehen wohl ca. 70% der Todesopfer der UNIFIL seit 1978 auf palästinensische Extremisten oder die Hisbollah zurück. Und hierbei haben wir es beileibe nicht bloß mit versehentlichem Beschuss, Unfähigkeit oder Fahrlässigkeit zu tun, sondern teils mit gezielten, willentlichen Angriffen bis hin zu gezielten Exekutionen. So etwas gab es seitens der IDF nie.
In der Konsequenz indessen wird, wenn es um Angriffe - egal ob intendiert oder versehentlich - auf die UNIFIL geht, fast immer nur Israel an den Pranger gestellt. Die UN und auch die Vollversammlung (diese vor allem) haben dies nie verurteilt, zumindest wäre mir spontan nichts bekannt. Im Gegenteil: Die Hisbollah hat man bis heute nicht nachdrücklich entwaffnet, und den Palästinensern haben ihre Attacken gegen die UN-Soldaten sogar in letzter Konsequenz die internationale Anerkennung (mit-)eingebracht (zumindest von vielen Staaten). Das insgesamt betrachtet ist mehr als beschämend.
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(Vor 11 Stunden)Quintus Fabius schrieb: Genau genommen wäre die UNIFIL damit auch berechtigt gegen die Israelis vorzugehen, nur dass sie dafür nach jedem Ermessen genau so wenig die Fähigkeiten hat. Die Israelis hatten bis lange nach dem Kriegseintritt der Hezbollah keine Präsenz im Einsatzgebiet der UNIFIL.
Zitat:2007 - Fregatte Niedersachsen.
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Und so gut wie unbekannt im Westen TM: die Hisbollah wirft der UNIFIL vor, bloße Spione der Israelis zu sein, dass die UNIFIL komplett vom Mossad unterwandert ist und fortwährend für Israel Aufklärung betreibt, Stellungen und Kämpfer der Hisbollah meldet und dass die Erfolge der Israelis auf die fortwährende Spionage und Aufklärung durch die UNIFIL zurück gehen.
Muhammad Husayn Fadlallah erklärte dazu kurz vor seinem Tod 2010, die UNIFIL diene nur Israel und sei dazu da, der Hisbollah so viel Schaden zuzufügen wie möglich. Es handle sich um eine einseitig rein auf Seiten Israels stehende Mission. Nasrallah sagte noch kurz vor seinem Tod, dass die UNIFIL allein Israel nütze und nur dazu diene die Hisbollah auszuspionieren und zu behindern wo es nur geht.
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