Indien
Zitat:Vor Alaska-Gipfel
Die Angst, dass Indien umkippt

Während Europa sich vor dem Gipfeltreffen in Alaska mit Trump zu koordinieren versucht, greift auch Putin zum Hörer. In Telefonaten mit Xi und Modi will er sich Rückendeckung holen. Die US-Zölle gegen Indien sieht Moskau als goldene Gelegenheit für eine Allianz. Doch so einfach ist das nicht.
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Zu diesem Thema ein interessantes und aufschlußreiches Interview von Prof. John Mearsheimer auf India Today.

Neben den aktuellen Maßnahmen gegenüber Indien, wie Strafzölle seitens der USA, geht er auf geostrategische Überlegungen ein.

In einem Satz: "Die Trump Regierung treibt Indien und Russland in die Arme Chinas und das ist nicht im strategischen Interesse der USA."

Hier das Video.
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Dazu auch hier:
Zitat:Weg von den USA, hin zu China: die Folgen von Indiens Kurswechsel
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Zitat:Indien verarbeitet billiges russisches Öl und verkauft es nach Europa weiter. Ab Januar will Brüssel diese Praxis verbieten. Kurz zuvor steigen die Lieferungen noch einmal kräftig an.

Angesichts der wachsenden Kritik an Indiens Ölgeschäften mit Russland verteidigt sich die Regierung in Neu-Delhi mit einem auf den ersten Blick leicht nachvollziehbaren Argument: Als vergleichsweise arme Nation könne es sich Indien nicht leisten, auf günstige Energiequellen zu verzichten.
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das könnte den Zoll-verliebten Onkel Donald ärgern
Zitat:Von der Leyen kündigt Freihandelsabkommen mit Indien an[
Noch in diesem Jahr soll ein Freihandelsabkommen der EU mit Indien stehen, verspricht Kommissionschefin Ursula von der Leyen, weitere sollen folgen. Wirtschaftsverbände fordern wegen des Zollstreits mit den USA Entlastungen.
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²EU – Indien: Brüssel will historisches Handelsabkommen abschließen
La Tribune (französisch)
Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, und die Präsidentin der Kommission, Ursula von der Leyen, sind zu Besuch in Neu-Delhi, um nach fast zwanzigjährigen Verhandlungen ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien abzuschließen. Ein strategischer Text für zwei Partner, die angesichts der weltweiten Handelsspannungen ihre wirtschaftlichen Allianzen diversifizieren wollen.
latribune.fr
Veröffentlicht am 25.01.26 um 12:34 Uhr
[Bild: https://pictures.latribune.fr/cdn-cgi/im...1393v_.jpg]
Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, ist am Sonntag in Neu-Delhi eingetroffen, wo er am Dienstag gemeinsam mit Ursula von der Leyen am 16. EU-Indien-Gipfel teilnehmen wird.
/FW1FP/Alex Richardson – REUTERS – REUTERS – Yves Herman

Die Europäische Union und Indien hoffen, diese Woche einen entscheidenden Schritt in ihren Handelsbeziehungen zu machen. Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, traf am Sonntag in Neu-Delhi ein, wo er am Dienstag gemeinsam mit Ursula von der Leyen am 16. EU-Indien-Gipfel teilnehmen wird. Beide sind auch Ehrengäste bei den Feierlichkeiten zum indischen Nationalfeiertag, die für Montag geplant sind.

Im Netzwerk X erklärte der Rat der Europäischen Union, dass „der Gipfel eine Gelegenheit sein wird, die strategische Partnerschaft zwischen der EU und Indien zu stärken und die Zusammenarbeit in den wichtigsten Politikbereichen zu intensivieren“.

Der Besuch findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Neu-Delhi und Brüssel nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen den Abschluss eines Freihandelsabkommens anstreben, das von europäischen Politikern als „Mutter aller Abkommen“ bezeichnet wird.

Eine boomende Wirtschaftspartnerschaft

Indien, das mittlerweile das bevölkerungsreichste Land der Welt ist, dürfte nach Prognosen des IWF in diesem Jahr zum viertgrößten Wirtschaftsraum der Welt aufsteigen. Die EU sieht darin einen wichtigen Zukunftsmarkt, während Neu-Delhi Brüssel als wichtige Quelle für Technologien und Investitionen zur Modernisierung seiner Infrastruktur und zur Förderung der Schaffung von Arbeitsplätzen betrachtet.

„Wir stehen kurz vor einem historischen Handelsabkommen“, erklärte Ursula von der Leyen diese Woche. Im Jahr 2024 erreichte der bilaterale Warenhandel laut EU-Zahlen einen Wert von 120 Milliarden Euro, was einem Anstieg von fast 90 % innerhalb von zehn Jahren entspricht, hinzu kommen rund 60 Milliarden Euro an Dienstleistungshandel.

Für beide Seiten geht es auch um geopolitische Fragen. Sowohl Brüssel als auch Neu-Delhi versuchen, ihre Absatzmärkte in einem Umfeld zu diversifizieren, das durch steigende US-Zölle und chinesische Exportbeschränkungen geprägt ist.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas fasste am Mittwoch die strategische Bedeutung der Annäherung zusammen: „Die EU und Indien nähern sich einander zu einem Zeitpunkt an, da die regelbasierte internationale Ordnung aufgrund von Kriegen, Zwangsmaßnahmen und wirtschaftlicher Fragmentierung einem beispiellosen Druck ausgesetzt ist.“

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Trotz des gezeigten Optimismus sind noch mehrere heikle Fragen zu klären. Laut Quellen, die den Verhandlungen nahestehen, streiten sich die Verhandlungsführer weiterhin über die Auswirkungen der von der EU eingeführten CO2-Grenzsteuer, insbesondere für Importe von indischem Stahl, sowie über Sicherheits- und Qualitätsstandards im Pharma- und Automobilsektor.

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Über den Handel hinaus ist der Besuch Teil einer umfassenderen Neugestaltung strategischer Partnerschaften. Neu-Delhi bemüht sich seit mehreren Jahren, seine militärische Abhängigkeit von Russland zu verringern, indem es seine Lieferanten diversifiziert und seine nationale Industriebasis stärkt. Die EU ihrerseits ist ebenfalls bestrebt, ihre strategische Autonomie zu stärken, insbesondere gegenüber den Vereinigten Staaten.
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https://www.spiegel.de/wirtschaft/eu-und...8f6a99ae96

Zitat:EU und Indien unterzeichnen umfassendes Handelsabkommen
Nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben sich die EU und Indien ‌auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Es gilt als strategischer Schritt, um sich angesichts der US-Zollpolitik wirtschaftlich breiter aufzustellen.

Die EU und Indien haben die Verhandlungen über den Aufbau einer riesigen neuen Freihandelszone abgeschlossen. Das teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi am Dienstag in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi mit.

Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Indien angekurbelt werden. Ziel ist es, Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern und zugleich unerwünschte Abhängigkeiten von anderen Staaten zu reduzieren.

Vor dem Hintergrund der aggressiven Zoll- und Handelspolitik der USA und dem zunehmenden Machtstreben Chinas gilt das Abkommen zudem auch als geopolitisch bedeutsamer Schritt.

»Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt«, sagte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen.

Man schaffe eine Freihandelszone mit zwei Milliarden Menschen, von der beide Seiten wirtschaftlich profitieren würden. Zudem sende man das Signal in die Welt, dass regelbasierte Zusammenarbeit weiterhin hervorragende Ergebnisse liefere.

Das Abkommen wird zwar nicht so umfassend sein wie jenes, das die Europäische Union zuletzt mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geschlossen hat. Angesichts der Größe des indischen Marktes ist es dennoch eines der größten, die bislang vereinbart wurden.

Deutsche Autoindustrie könnte profitieren
Indien ist noch vor China mit mehr als 1,45 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. In der EU leben rund 450 Millionen Menschen. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung.

Angaben der EU zufolge könnte von dem Abkommen insbesondere die deutsche Autoindustrie profitieren, da Indien den Import von Fahrzeugen aus der EU bislang mit Zöllen von bis zu 110 Prozent belastet. Diese sollen nun zumindest für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr schrittweise auf 10 Prozent gesenkt werden, während sie für Autoteile nach fünf bis zehn Jahren vollständig abgeschafft werden. Auch Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf Chemikalien und 11 Prozent auf Pharmazeutika würden weitgehend beseitigt, heißt es.

EU rechnet mit Verdopplung der Exporte innerhalb der kommenden Jahre
Nach EU-Angaben sind bereits heute mehr als 6000 europäische Unternehmen in Indien vertreten. Die EU geht davon aus, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdopplung der EU-Exporte nach Indien führen wird, indem Zölle auf 96,6 Prozent des Wertes der EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder gesenkt werden. Insgesamt würden die Zollsenkungen Einsparungen von rund vier Milliarden Euro pro Jahr an Abgaben auf europäische Produkte ermöglichen, hieß es.

Indischen Experten zufolge ist das Marktpotenzial aber noch beschränkt, da die konsumfreudige Mittelschicht mit etwa 150 Millionen Menschen in Indien zwar wächst, aber dennoch weiterhin große Differenzen bei Wohlstand und Kaufkraft bestehen.

EU-Parlament muss noch zustimmen
Bis das Abkommen unterzeichnet werden kann, dürfte es noch einige Zeit dauern. Grund ist, dass der Vertragstext noch rechtlich überprüft und in alle Amtssprachen der EU übersetzt werden muss. Anschließend muss er zudem noch von den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament gebilligt werden.

Mit Indien gab es schon von 2007 bis 2013 Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Damals scheiterten die Gespräche jedoch und wurden erst 2022 wieder aufgenommen.

Das Interesse an einer Einigung erhöhte sich zuletzt auf beiden Seiten angesichts des unberechenbaren Verhaltens von US-Präsident Donald Trump.

Auf indische Produkte erheben die USA inzwischen Zölle in Höhe von 50 Prozent, einschließlich der 25 Prozent wegen Handelsgeschäften ihres Partners mit Russland.

Indien ist die fünftgrößte Volkswirtschaft und pflegt gute Beziehungen zu Moskau wie zum Westen. Das Land bezieht einen Großteil seines Öls und Gases aus Russland, das wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt.

EU verspricht Schutz im Agrarsektor
Als heikel gelten Freihandelsabkommen im Agrarbereich . Ähnliche Proteste wie beim Mercosur-Abkommen sind aber nicht zu erwarten, da das Abkommen für hiesige Landwirte sensible Bereiche nicht einbeziehen soll. »Empfindliche europäische Agrarsektoren werden vollständig geschützt, da Produkte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Reis und Zucker von der Liberalisierung im Rahmen des Abkommens ausgenommen sind«, teilte die EU-Kommission mit.

Alle indischen Einfuhren müssten zudem weiterhin die strengen Gesundheits- und Lebensmittelsicherheitsvorschriften der EU einhalten.

Zugleich betont die EU, dass sich für europäische Landwirte neue Chancen in Indien eröffnen. Demnach werden etwa indische Zölle auf Wein bei Inkrafttreten des Abkommens auf 75 Prozent gesenkt und später dann auf bis zu 20 Prozent reduziert. Die Zölle auf verarbeitete Agrarprodukte wie Brot und Süßwaren von bis zu 50 Prozent sollen ganz abgeschafft werden.
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Wie hoch schätzt ihr die Wahrscheinlichkeit ein, dass Indien Komponenten aus Elektrotechnik und Maschinenbau mit Aufpreis nach Russland weiterverkauft?
Natürlich kommen die Russen sowieso an (fast) alles was sie haben wollen, es ist (leider) nur eine Frage des Geldes.
Insbesondere durch das Abkommen dürfte es doch aber nochmal wesentlich einfacher (und günstiger) werden, schließlich ist es unmöglich den Verbleib der Güter zu überwachen.
So sehr ich die Möglichkeit sich wirtschaftlich etwas unabhängiger von USA & China zu machen begrüße, dieser Punkt bereitet mir etwas Sorge. Viel zu oft werden europäische Komponenten in russischer Waffentechnologie entdeckt.
Oder übersehe ich etwas?
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(28.01.2026, 20:18)Schlingel schrieb: Oder übersehe ich etwas?

Primär, dass Russland nahezu unterbrochen Zugriff auf Dual-Use-Güter hatte, trotz Sanktionen, von den Firmen in Europa die Sanktionen einfach mal ignorieren ganz abgesehen.

Ob nun Israel, Türkei, China, etc. - Russland hat schon genug Wege, ich denke da macht Indien auch kaum noch einen Unterschied. Insbesondere da wir China niemals dazu bewegt bekommen würden, nicht an Russland zu liefern.
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Stimmt;
"Absolut dicht" ist nichts. Nehmt nur das Beispiel Nordkorea. Die Führung dort kann trotz aller Sanktionen praktisch alles kaufen, was sie begehrt - Luxus genauso wie nur militärisch nutzbare Komponenten.

Das Thema "Sanktionen" ist lediglich eine Frage des Preises - und ggf. der Zugriffszeit. Russland ist reich genug an Bodenschätzen, um höhere Preise verkraften zu können. Und solange Länder wie China (im Osten) oder Ungarn (im Westen) das Zeug abkaufen, werden sich immer Lieferanten finden, die im Gegenzug wieder Russland versorgen. Diese Lieferanten müssen nicht aus Indien sein.

Das heißt nicht, dass ich jetzt gegen Sanktionen wäre. Je schwerer und teurer man es machen kann, desto schwerwiegender ist es. Aber auch hier wieder das Beispiel Nordkorea: die Sanktionen treffen die Bevölkerung, nicht aber die politische Elite.
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