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RE: Palästina - Kongo Erich - 05.07.2026 Sind einige Gegenthesen erlaubt? Zitat:Es ist Israel welches sowohl vor als auch nach dem 7 Oktober den Gros aller Palästinenser in Gaza mit Wasser und Essen versorgt hat.Gaza liegt am Meer, und hatte einen von der EU gebauten internationalen Flughafen (der von Israel zerstört wurde). Dazu kommt die Landgrenze zu Ägypten, die in Absprache mit Israel faktisch geschlossen ist. Ohne die israelische Blockade wäre Gaza nicht auf diese "Gnadenlieferungen zur Versorgung" aus Israel angewiesen. Zitat:Fakt ist, der Krieg war notwendig, er wurde verhältnismässig geführtFakt ist, der Krieg war durch die Blockade und die harte Haltung Israels herausgefordert und er ist ein totaler Krieg gegen die Zivilbevölkerung, was weder verhältnismäßig noch mit dem Völkerrecht in Einklang steht. Wie man die Zerstörung von Infrastruktur wie Abwasserbeseitigung oder Wasserversorgung oder von Krankenhäusern auch internationaler Hilfsorganisationen als "Verhhältnismäßig" bezeichnen kann ist für mich nicht nachvollziehbar. Aus einem lesenswerten Interview mit dem langjährigen Nahost-Korrespondent des ORF Zitat:Das Problem sind weder die Toten (es gibt heute in Gaza mehr Araber als bei Kriegsbeginn) noch die Zerstörungen, sondern dass Israrel über seinen taktischen Sieg hinaus keinerlei strategische langfristige Strategie hat.das Problem ist, dass die israelische Regierung (bitte auf die Differenzierung achten) außer massiver Gewaltausübung und Terror gegenüber Zivilisten überhaupt keinen Plan hat, und sich ein Großteil der israelischen Gesellschaft damit abfindet. RE: Palästina - Kongo Erich - 06.07.2026 Zitat:Hamas im Gazastreifen: RE: Palästina - Schneemann - 06.07.2026 @Kongo Erich Zitat:Sind einige Gegenthesen erlaubt?Natürlich, davon "leben" wir hier alle. ![]() Zitat:Gaza liegt am Meer, und hatte einen von der EU gebauten internationalen Flughafen (der von Israel zerstört wurde). Dazu kommt die Landgrenze zu Ägypten, die in Absprache mit Israel faktisch geschlossen ist.Gaza würde keine Blockade erfahren, wenn sich die radikalislamische Hamas nicht 2007 dort bürgerkriegsähnlich durchgesetzt hätte. Es ist doch keinem Land weltweit zuzumuten, eine solche Organisation quasi "nebenan" zu dulden und v. a. noch zu unterstützen, wenn sich eben jene die Vernichtung des eigenen Staatswesens auf die Flaggen geschrieben hat. Würde in Gaza noch die Fatah herrschen, dann wäre es zwar ein korrupter Sumpf (wo findet man einen solchen nicht in Nahost?), aber das Gebiet wäre nicht zerbombt, würde weiter internationale Hilfen empfangen, der Flughafen wären noch nutzbar und vielleicht hätte man sogar mittlerweile einige Abkommen mit den Israelis hinbekommen, die die Lage weiter zum Positiven verändern. Damit meine ich nicht die vielbesungene Zwei-Staaten-Lösung, aber es wäre für die Menschen in Gaza deutlich angenehmer als jetzt. Schneemann RE: Palästina - Kongo Erich - 07.07.2026 (06.07.2026, 19:07)Schneemann schrieb: ... dazu: a) Netanjahu hat selbst bestätigt, dass die Machtübernahme der Hamas durch Israel aktiv unterstützt wurde, um die Zweistaaten-Lösung zu verhindern SPIEGEL: Jahrelang hat Benjamin Netanyahu die Hamas gepäppelt, um die Palästinenser zu spalten. 10.11.2023, 10.00 Uhr Tagesanzeiger (Schweiz): «Zur Wahrheit gehört auch, dass Netanyahu die Hamas jahrelang unterstützt hat» Publiziert: 20.11.2023, 17:33 DW: 21.01.2024 Israels Premier Benjamin Netanjahu wollte die Hamas am Leben erhalten, um einen palästinensischen Staat zu verhindern. SRF: Netanjahu und Sinwar – eine unheilige Allianz 05.12.2024, 08:37 Uhr b) auch eine Hamas hätte keinen Zulauf, wenn nicht ständiger Druck aus Israel (um nicht den Begriff "Terror" zu verwenden) die fortwährende Radikalisierung der Palästinenser zur Folge hätte Politologe Jäger: "Ausweitung des Krieges ist Revitalisierung für Hamas"
[Video: https://youtu.be/X5-ah5NrJ9Q]
RE: Palästina - Schneemann - 08.07.2026 Zitat:a)Die Legende, dass Israel die Hamas großgezogen habe, ist leider nicht neu. Gleichwohl ist sie dennoch falsch, zumindest so, wie es dargestellt wird. In Joseph Croitorus Buch Hamas findet sich dazu einiges. Im Kern hoffte man tatsächlich, dass man einen Gegenpol zur Fatah um Arafat aufbauen könne bzw. dass die Hinwendung zur religiösen Frömmigkeit der säkularen Fatah und ihren Fanatikern das Wasser abgraben würde. Die Inszenierung des Anschlages auf Meschaal in Amman 1997 und der nachfolgende, öffentlichkeitswirksame "Tausch" der verhafteten Mossad-Agenten gegen Yassin und dessen Verbringung per Helikopter nach Gaza war eine dieser Aktionen. Es gab darüber zwischen Netanjahu und Scharon, der ein Intimfeind von Arafat war, jedoch einigen Zoff im Hintergrund und man sah danach von weiteren spaltenden Maßnahmen ab, zumal erkennbar war, dass die Hamas alles andere als ein vertrauenswürdiger Verhandlungspartner war. Das Problem hierbei ist, dass die Details dazu sehr oberflächlich dargestellt werden, das ist leider nicht neu, und dass in der Berichterstattung mehr oder minder ein Journalist vom anderen abschreibt und es so darstellt, als habe Israel die Hamas finanziert etc. Das ist aber eben nicht korrekt. Zitat:b)Die Hamas wäre so oder so entstanden. Und bzgl. "ständigen Drucks" sei erinnert, dass die Israelis aus Gaza abgezogen sind, übrigens unter dem als Hardliner angesehenen Scharon ("Scharon-Plan"), weil man hoffte, dass es so irgendwie Ruhe geben wird. (Zumal es auch die IDF war, die mehrmals in Jerusalem monierte, dass es keinen Sinn mache und dass man es auch niemanden erklären könne, dass man zigtausende Soldaten einsetzen muss, nur um 4.000 oder 5.000 Siedler in Gaza zu schützen.) In der Folge gab es aber keine friedliche Entwicklung, sondern die Hamas putschte sich in Gaza an die Macht 2007 und führte auch gegenüber der eigenen arabischen Bevölkerung ein islamistisches Terrorregime ein. Der Rest mit Blockade etc. pp. ist bekannt. Kurzum: Kein Staat kann es sich erlauben, eine solche Gruppierung direkt an den eigenen Grenzen agieren zu lassen. Das könnte kein Staat den eigenen Bürgern verständlich machen. Man hat es aber leider aussitzen wollen, einerseits gab es häufig wechselnde Regierungen in Israel und man hatte andere Sorgen, andererseits gab es wohl auch die Hoffnung, dass es möglicherweise schon "irgendwie" gutgehen wird. Levantinisches Herumgewurschtele eben. Es ging nicht gut, wie wir am 07. Oktober gesehen haben. Schneemann RE: Palästina - Kongo Erich - 08.07.2026 (08.07.2026, 05:51)Schneemann schrieb: Die Legende, dass Israel die Hamas großgezogen habe, ist leider nicht neu. Gleichwohl ist sie dennoch falsch, zumindest so, wie es dargestellt wird.die Reihenfolge der Geschehnisse - Abzug der IDF am 5. August 2005 ohne politische Übereinkunft aus dem Gaza-Streifen und danach Übernahme der Macht 2007 durch die Hamas (bei den palästinensischen Wahlen 2006 errang die islamistische Hamas, die Israels Existenz bekämpft, einen Wahlsieg) ist unstreitig. Sharon ordnete den Rückzug aus Gaza aus drei Gründen an 1. In dem Gebiet von gerade 360 Quadratkilometer lebten damals 1,5 Millionen Araber. Diese Situation ließ sie zunehmend politisch radikalisieren. Der Streifen war für die israelische Armee nicht beherrschbar. 2. In dem er den Rückzug Israels befahl, empfahl sich Sharon den westlichen Staaten als Partner für ein umfassendes Friedensabkommen ohne Beteiligung seines Erzfeindes Arafat. 3. Die überwiegende Mehrheit der Israelis wollte einen Rückzug aus Gaza. Man war nicht länger bereit, für einige Tausend Siedler ständig Opfer zu bringen. Allerdings gab es unter Israels Rechten, vor allem in Sharons eigener Likud-Partei, und bei den Siedlern im Westjordanland starke Widerstände gegen einen Abzug aus Gaza. Selbst Mitglieder des Kabinetts wie der damalige Finanzminister Netanyahu, sprachen sich vehement dagegen aus. Inwiefern und inwieweit Netanjahu aktiv oder durch die Duldung entsprechender "Schmiermittel-Lieferungen" die Hamas (auch maßgeblich?) unterstützt hat, wissen nur die Beteiligten selbst. Und ich unterstelle nicht, dass irgend ein User des Forums dazu gehört. Insofern müssen wir uns auf das verlassen, was mehr oder weniger (und sicher subjektiv gefärbt) aus dem Dunstkreis der Beteiligten selbst nach aussen dringt. Und dazu gehört auch diese Äusserung von Bibi himselbst in der NYT Zitat:‘Buying Quiet’: Inside the Israeli Plan That Propped Up Hamas. WIKIPEDIA widmet dieser ganzen Unterstützung und formuliert mit entsprechenden Quellenangaben: sogar einen eigenen Absatz Zitat:Gleichzeitig verfolgte Netanjahu eine Politik, die darauf ausgerichtet war, das palästinensische Lager durch Stärkung der Hamas im Gazastreifen zu spalten.[116][117][118] 2019 sagte Netanjahu auf einer Likud-Fraktionssitzung:[116] „Jeder, der die Gründung eines palästinensischen Staates verhindern will, muss die Stärkung der Hamas unterstützen. Eine Spaltung zwischen den Palästinensern in Gaza und denen in Judäa und Samaria [israelische Bezeichnung für das Westjordanland] zu erzielen, ist Teil unserer Strategie.“[117][119][120] Katar schickte auf Bitten der israelischen Regierung über Jahre hinweg Milliarden Dollar nach Gaza.[121][122][123] Laut Spiegel wurden mit Netanjahus Erlaubnis und Unterstützung Millionen in Geldkoffern nach Gaza getragen und der Hamas übergeben.[116] ------------------------------------------------------
Wie der Ruf von Hilfswerken durch interessierte Kreise ruiniert wird, ist im Übrigen gerade aktuell in der FAZ zu lesen: Zitat:Studie zu UNRWA: RE: Palästina - Kongo Erich - 10.07.2026 Das ist nicht die einzige Meldung dieser Art; zur Zeit erreichen mich täglich entsprechende Meldungen über Übergriffe der "diszipliniertesten Streitkräfte der Welt", die z.T. mit Videoaufnahmen belegt sind. Zitat:"Plötzlich schossen sie auf ihn" RE: Palästina - Kongo Erich - 15.07.2026 Zitat:Israel: Millionen für neue Siedlungen im WestjordanlandNach meiner Kenntnis betrug der Anteil von Menschen jüdischen Glaubens zur Zeit der Osmanen - als alle Religionsgemeinschaften noch friedlich miteinander auskamen - etwa 10 %. Die heutigen Siedler sind also Menschen mit Migrationshintergrund ... RE: Palästina - Kongo Erich - 16.07.2026 Zitat:Gaza: Oxfam warnt vor Epidemien und wachsender Not RE: Palästina - Kongo Erich - 17.07.2026 Zitat:20:12 Uhrweiterer Link: https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Radikale-Siedler-attackieren-Ort-Sinjil-im-Westjordanland-Gewaltbereite-werfen-Steine-auf-Palaestinenser-id31099061.html RE: Palästina - Schneemann - 17.07.2026 @Kongo Erich Zitat:Die heutigen Siedler sind also Menschen mit Migrationshintergrund ...Ich denke, dass dieser kolportierte Migrationshintergrund hierbei nicht zielführend ist. Man mag darüber diskutieren können, wie die Siedlungen entstehen. Und man mag und muss auch die Siedlergewalt verurteilen, aber vor dem historischen Hintergrund wird es schwer, mit einem Migrationshintergrund zu argumentieren, auch dann, wenn die jetzigen Siedler in weiten Teilen nur ferne Nachfahren der einstmals in die Diaspora gegangenen (besser: gezwungenen) Juden sind. Zumal: Hier schlummert ein gefährlicher argumentativer Bumerang. Denn: Was soll denn die Lösung des Migrationshintergrundes sein? Abschieben? Rauswerfen? Solche Töne kenne ich - aber nicht von dir... Schneemann RE: Palästina - Kongo Erich - 18.07.2026 @Schneemann: Danke für den Hinweis mit geht es darum, deutlich zu machen, dass in Palästina Menschen mit völlig anderen Lebenswirklichkeiten aufeinander treffen -> das führt zu Konflikten, vor allem, wenn die Gruppe, die die Macht innehat, nicht integrationswillig oder integrationsfähig sondern sogar von Intoleranz und ungezügelter Aggression geprägt ist. RE: Palästina - Schneemann - 18.07.2026 Das Problem dürfte dabei auch sein, dass wir nie alles mitbekommen bzw. eben nur die negativen Meldungen sehen und vorgesetzt bekommen, d. h. wir bekommen es medial mit, wenn radikale Siedler - die allenfalls wenige Prozent von allen Siedlern ausmachen - irgendwo Olivenbäume von arabischen Familien fällen oder CNN-Reporter mit Steinen bewerfen, aber dass die große Masse der Siedler eigentlich recht friedlich ist und beim arabischen Nachbarn auch Orangen einkauft, geht halt leider unter. Schneemann RE: Palästina - Kongo Erich - 18.07.2026 Es stimmt, Meldungen über Gewalt lassen sich deutlich besser "verkaufen" als die über den Orangeneinkauf beim Nachbarn. Und wir sind noch dazu in einer Situation, in der die beteiligten Seiten mit medialen PR-Kampagnen versuchen, Stimmung zu erzeugen. Ich werde derzeit anderswo mit entsprechenden Meldungen regelrecht überflutet. Deshalb gebe ich hier grundsätzlich nur die Meldungen weiter, die entweder von Dritten stammen und/oder nach meiner (subjektiven) Überzeugung einen halbwegs wahren Sachverhalt darstellen. Das hier als Beispiel: Zitat:Shomali: Bevölkerung in Gaza lebt unter prekären Bedingungen Zitat:Ein Jahr nach Angriff auf Pfarrei in Gaza: Gedenken und anhaltende Krise RE: Palästina - Kongo Erich - 19.07.2026 Zitat:Gazastreifen:irgendwer hat das mit dem Orangeneinkauf nicht verstanden |