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Sechster Nahostkrieg - Druckversion +- Forum-Sicherheitspolitik (https://www.forum-sicherheitspolitik.org) +-- Forum: Hintergründe (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=97) +--- Forum: Krisen, Konflikte und Kriege (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=99) +--- Thema: Sechster Nahostkrieg (/showthread.php?tid=6962) Seiten:
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RE: Sechster Nahostkrieg - KheibarShekan - 10.08.2024 Zitat:Nur weil sich das politische System eines Landes ändert, bedeutet dies nicht, dass sich hierdurch die Verantwortung für ein wie auch immer geartetes nationales Handeln verändert bzw. dass man keine Verantwortung hierfür zu übernehmen hätte. Also wenn ich Dich richtig verstanden hatte, dann hattest Du in Deiner Argumentation betont dass der Iran sein Schicksal der Feindschaft zu den USA (großer Satan) und Israel (kleiner Satan) selbst gewählt habe. Das ist aus meiner Sicht durchaus richtig. Nun ist aber auch nicht alles ein Automatismus und vorhersehbar. Der Iran wurde schon von Timuriden, Arabern und Mongolen regiert. Manche sagen scherzhaft, das wäre immer noch der Fall. Andere Zeiten, andere Feinde jedenfalls. Israel stellt für alle etablierten Regionalmächte eine Herausforderung dar, da es sich in der Gemengelage um eine neue, exotische, künstlich aufgeblasene Schachfigur im geopolitischen aber auch im historischen Kontext handelt. Die aber auch gleichzeitig systematisch, aggressiv expansiv und ohne erkennbare Limits nach dem "MAD Motto - ich kenne garantiert weniger Limits als Du" handelt. Es ist sehr schwierig mit Israel umzugehen, wenn man sich Israel nicht unterwirft oder es komplett ignoriert. Das wiederum ist Konzept. Kann der Iran was dafür? Aber gerade die von Dir als israelfreundlich betrauerten Pahlavis waren, das betrifft mindestens mal den Senior und Gefolgschaft, ausgesprochen empfänglich für Rassentheorie und allgemein sehr fasziniert vom Deutsche Reich, wie sie sich systematisch in kurzer Zeit industriell und militärisch aufbauten. Das Jahr 1935 erschien ihm passend, den Kolonialnamen "Persien" abzulegen und über die diplomatischen Vertretungen international den Namen Land der Arier bzw. Iran durchzusetzen. Im selben Jahr die Nürnberger Gesetze verabschiedet. Hätten die Nazis spekulativerweise den Krieg gewonnen, aber die zionistische Bewegung trotzdem einen Staat gegründet, hätten die Pahlavis sich im Rahmen entsprechender Verbundenheit als Gegner Israels, der USA und Russland selbstverständlich angeboten. Da aber bereits 1941 die britisch-sowjetische Invasion des Iran erfolgte, entwickelten sich die Dinge dort anders. RE: Sechster Nahostkrieg - KheibarShekan - 10.08.2024 Israel betreibt laut B'Tselem zwölf Einrichtungen die der systematischen Folter von arabischen Häftlingen dienen. Zitat:Israel set up facilities dedicated to torturing Palestinians: Rights grouphttps://www.aljazeera.com/news/2024/8/6/israel-set-up-facilities-dedicated-to-torturing-palestinians-rights-group Das nächste Massaker: Zitat:Israeli strike on Gaza school kills more than 100 peoplehttps://www.aljazeera.com/news/2024/8/10/israel-strike-on-gaza-school-kills-more-than-100 RE: Sechster Nahostkrieg - KheibarShekan - 10.08.2024 Zitat:Ägypten: Israel will Krieg nicht beendenhttps://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-nahost-samstag-164.html RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 10.08.2024 ![]() Zitat: Is there ever a justification for targeting a school during war, such as Israel is reported to have done in Gaza today: An international law analysishttps://x.com/Ostrov_A/status/1822302440353394886 RE: Sechster Nahostkrieg - Kos - 10.08.2024 Genau so ist es. Das Problem ist nicht die IDF, die sich im Grossen und Ganzen fast schon vorbildlich an die Regel hält. Das Problem ist die HAMAS der palästinensisches Leben rein gar nichts bedeutet, die sich hinter Frauen und Kindern versteckt und Palästinenser bewusst in den Tod treibt um Legitimation zu erhalten. Das nächste Problem ist ein EU-Aussenbeauftragter und Vizepräsident der entweder absolut keine Ahnung von internationalen Recht hat oder es bewusst ignoriert. RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 10.08.2024 Mal weg von diesem konkreten Einzelfall sehe ich es aber durchaus als ein erhebliches Problem an, dass die Israelis keine Verantwortung für die palästinensische Zivilbevölkerung übernehmen wollen. Man besetzt Gaza nicht, man evakuiert die Zivilisten nicht in geeignete Auffanglager, man kümmert sich auch sonst zu wenig um die Zivilbevölkerung und führt einfach weiter Krieg mit der mehr als bequemen Ausrede, dass für die Zivilisten ja die Hamas zuständig sei und tut dabei so, als ob die Hamas weiterhin das gesamte Gebiet vollständig kontrolliere und kann damit praktisch gesehen alles rechtfertigen. Das ist heuchlerischer Zynismus, vor allem aber ist es strategisch falsch und kurzsichtig. Und es entspringt in Wahrheit hinter allen Wortgirlanden und Erklärungen hierzu einfach dem Hass der Israelis auf die Palästinensische Zivilbevölkerung, auch wenn man dies als Motiv natürlich nicht offen einräumen kann und wird. Nun komme man mir bitte nicht mit der Begründung, dass dieser Hass Gründe habe, irrelevant. Die einzige Frage sollte die der praktischen Notwendigkeit sein und da vertut Israel unnötig und aus rein irrationalen und rein emotionalen Gründen sehr viel und schadet sich damit selbst. RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 10.08.2024 Man hat nicht die Kapazitäten um Gaza zu besetzen und irgendwelche Lager in die man die Zivilbevölkerung treibt würden international auch niemanden passen. RE: Sechster Nahostkrieg - Kos - 10.08.2024 (10.08.2024, 20:16)Quintus Fabius schrieb: Nun komme man mir bitte nicht mit der Begründung, dass dieser Hass Gründe habe, irrelevant. Die einzige Frage sollte die der praktischen Notwendigkeit sein und da vertut Israel unnötig und aus rein irrationalen und rein emotionalen Gründen sehr viel und schadet sich damit selbst. Bei dem Konflikt sind die Gründe eh schon seit langer Zeit völlig egal und die Diskussion darüber in meinen Augen auch mühselig, gebe ich dir recht. Allerdings darf man nicht einfach nur von Israel reden sondern sollte die unterschiedlichen Gruppen in der israelischen Gesellschaft betrachten, selbiges gilt natürlich auch für die Gegenseite. Nach dem Angriff der HAMAS haben jetzt rechte Kräfte in Israel Auftrieb. Diese nützen das aus um sich an der Macht zu halten, die Palästinenser im Westjordanland zurückzudrängen und denen im Gaza das Leben zur Hölle zu machen. Auf der Gegenseite macht das die HAMAS genauso. Deren Terror dient nur dazu eine israelische Reaktion hervorzurufen und denen ist es ganz recht wenn die rechten Kräfte in Israel die Oberhand gewinnen. Davon abgesehen denke ich nicht, dass sich Israel damit schadet. Der Konflikt wird für die Medien immer uninteressanter und damit auch für die Politik. Nur der Iran und die Hisbollah sind noch ein Problem. Israel muss auch seine Abschreckung wieder glaubhaft aufstellen und dazu gehört die vollständige Zerschlagung der HAMAS. Der neue, aktuelle Anführer wird von Israel gejagt werden bis sie ihn haben, vorher hören die nicht auf. RE: Sechster Nahostkrieg - Schneemann - 11.08.2024 Zitat:Israel betreibt laut B'Tselem zwölf Einrichtungen die der systematischen Folter von arabischen Häftlingen dienen...Ich habe mir die Mühe gemacht, den Artikel genau zu lesen und mir auch die Interviews mit mutmaßlichen, ehemaligen Inhaftierten, die al-Dschasira hier führt, anzuschauen. Vorab: Dass die geschnappten Hamas-Angehörigen oder -Sympathisanten nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst werden, steht sicherlich außer Frage. Und ja, es wird sicher auch die eine oder andere Übergriffigkeit gegeben haben, das lässt sich aber angesichts des Hintergrundes wohl leider auch nicht vermeiden. Ich wäre aber zurückhaltend, wenn es darum geht, dass man eine "Systematik" hier sehen will. Denn: Wenn man sich die Aussagen anhört, die von ehemaligen palästinensischen Häftlingen getätigt werden, so kommen u. a. und fast immer folgende Aussagen: 1. zum Transport zusammengepfercht 2. sie waren beim Verhör gefesselt 3. mussten sich ausziehen und wurden Leibesvisitationen unterzogen 4. sie waren eingesperrt ([sic!]) 5. es gab mehrfach am Tag, teils stündlich, Kontrollen der Hafträume 6. in den Zellen wurde das Licht angelassen 7. das Essen war unzulänglich 8. sie hätten zu wenig Sonnenlicht gehabt 9. die medizinische Versorgung sei nicht gewährleistet gewesen (wobei in betr. Interview im Link der "Zeuge" sogar darauf hinweist, dass ein israelischer Arzt einen Gefangenen mehrfach untersucht habe, aber diesem gesagt habe, dass er nichts hat, was der palästinensische Gefangene aber offenbar nicht akzeptieren wollte) Ich räume ein, dass 6. als Schlafentzug gewertet werden kann und nicht stattfinden darf. Auch 1. kann man ggf. kritisch sehen. Aber bei den anderen Punkten möchte ich anmerken, dass es sich um potenzielle Terrorverdächtige handelt, die in einer Kriegszone verhaftet wurden. Liebe Güte, das ist doch ein Jammern auf sehr hohem Niveau. Also dass sie nun keine luxuriöse Unterkunft erhalten, kann man sich an allen zehn Fingern abzählen. Und wenn man sich die Freigelassenen ansieht - ja, sie wurden freigelassen -, so wirkt keiner körperlich angegriffen (auch wenn sich manche vor der Kamera stützen lassen). Und im Gegensatz zu Terroristen, die in Russland verhaftet wurden, scheinen auch noch alle ihre Ohren und das Gemächte zu haben... Insgesamt gesehen ist es also sogar eher erstaunlich, dass die Israelis angesichts der Massaker vom 7. Oktober und nach zehn Monaten erbittertem und asymmetrischem Krieg gegen eine zwielichtige und hinterlistige Terrororganisation noch derart diszipliniert mit Terrorverdächtigen umgehen. Diejenigen, die hier also so lautstark in die Kamera von al-Dschasira jammern, sollten froh sein, dass sie nicht von syrischen, russischen, irakischen oder türkischen Truppen "verhört" worden sind. Schneemann RE: Sechster Nahostkrieg - muck - 11.08.2024 Danke @Schneemann! RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 11.08.2024 Werter Nightwatch: Es ginge eben nicht darum, die Bevölkerung in Lager zu treiben, und du verwendest den Begriff hier sicherlich intentional um eine negative Kontonation zu erzeugen - sondern darum die Zivilbevölkerung besser schützen zu können, sie besser versorgen zu können und um Hamas Kämpfer aus dieser besesr herausfiltern zu können und um die Hamas in Gaza selbst besser bekämpfen zu können. Und wenn das israelische Kriegsziel die möglichst weitgehende Vernichtung der Hamas ist, dann ist Kontrolle hierzu eines der wesentlichsten Mittel, und Israel könnte sehr wohl eine solche Kontrolle ausüben, dass ist nur eine Frage der Methodik und nicht der Quantität. Die Wahrheit ist meiner Überzeugung nach, dass die Israelis überhaupt keine Absicht haben dies zu tun, damit sie ihrem orientalischen, für die Gegend allzu typischen Hass- und Rachekrieg führen können. Man will die Palästinenser gar nicht "retten", oder sie befreien, man will sie nur maximal möglichst bestrafen und dass ist schon alles. Schneemann: Zitat:Ich wäre aber zurückhaltend, wenn es darum geht, dass man eine "Systematik" hier sehen will. Es gibt zweifelsohne eine Systematik mit palästinensischen Terror-Verdächtigen sehr robust umzugehen. Ich verwende mal bewusst nicht das Wort Folter, aber der Umgang entspricht dennoch nicht dem was eigentlich westlicher Standard sein sollte. Dein Whataboutism in Bezug auf Russen und Syrer ist hier zudem ebenso fehl am Platze. Was für eine Relevanz soll es besitzen, dass es andere gibt die noch schlimmer sind ?! Im weiteren sollte man diese Sache rein funktional betrachten: erfüllt diese Art der Behandlung einen Sinn oder nicht? Nützt sie Israel oder nicht? Rein funktional betrachtet ist der Umgang mit diesen Personen unnötig hart und eben nicht funktional. Er geschieht wie vieles andere dort gerade nicht aus reiner Notwendigkeit, sondern nur aus Hass / Rassenhass / Rachedurst, also irrationalen emotionalen Motiven. Dies dann mit dem 07.10. zu entschuldigen ist ebenfalls recht wohlfeil. Man sollte solche Vorgänge trotzdem sehr kritisch hinterfragen, nicht aus moralischen Gründen, sondern aus Gründen der reinen Funktionalität. Ich beschäftige mich seit so um die 30 Jahren mit COIN. Das Vorgehen der Israelis in diesem Kontext ist ausgesucht schlecht, weil falsch. RE: Sechster Nahostkrieg - KheibarShekan - 11.08.2024 Wenn Du das Level erreicht hast, wo Du dich in Deiner Legimitation unterhalb des Niveaus der als "Terroristen" bezeichneten Feinde ansiedelst, wird es immer schwierig. Selbst wenn sich ein Hamas Kommandeur unter den Zivilisten zum Gebet eingefunden hat, dann wartet man bis der Kollege wieder raus kommt. 3 schwere Bomben auf eine ausgewiesene Schutzzone zu werfen, wo sich zum Zeitpunkt gerade 300 Personen aufgehalten haben, ist -nicht zuletzt bei dieser maximalen militärischen Überlegenheit und den Möglichkeiten der Aufklärung- vollkommen unnötig, militärisch gedacht überflüssig und kontraproduktiv. Das macht man einfach nicht. Das ist aber nur ein Fall von vielen. Israel verhält sich nicht wie David mit der Schlinge, sondern wie Goliath mit der Keule. Dahinter steckt Systematik. Und die wird am Ende das Standing von Israel und Juden i.A., die Argumentationsgrundlage, die Handlungsoptionen auf diplomatisch-wirtschaftlichen Parket nachhaltig schädigen. Selbst die Biden Regierung glaubt die israelischen Narrative nicht mehr. Wir haben das wiederholt gehört, als markierte und angemeldete internationale Helfer, Zeltstädte und Krankenhäuser bombardiert wurden. Aber noch viel interessanter ist, dass die Amerikaner den Israelis ebenfalls nicht abnehmen, dass die Hamas für die Lebensmittelknappheit verantwortlich wäre. Im Gegenteil habe es Israel bis heute versäumt Erkenntnisse vorzulegen, dass die Hamas in signifikanterweise Hilfsgüter für sich abzweigt, geschweige denn zurückhalte. Zitat:Israeli minister says it may be ‘moral’ to starve 2 million Gazans, but ‘no one in the world would let us’https://edition.cnn.com/2024/08/06/middleeast/israeli-minister-smotrich-starve-gazans-intl/index.html Es wäre mittel bis langfristig gedacht viel geschickter im Norden wirklich sichere Zentren mit Notunterkünften, Lebensmitteln, Medikamenten und einem Freizeitpark für Kinder einzurichten und der Welt vor Augen zu führen, wer angeblich Licht und wer angeblich Schatten ist. Dass Israel die Kapazitäten dafür nicht habe ist komisch, wenn man gleichzeitig die Ressourcen besitzt jährlich mehrere Tausend Wohneinheiten nach westlichem Standard auf besetzten Gebieten im Westjordanland zu bauen. Ziehen die vielleicht zu viele Kapazitäten ab? Kann man mit den Steuergeldern der Westjordanländer nichts machen, welche Israel stets eintreibt und zwecks Kollektivstrafe seit 4-5 Monaten einbehalten hat? Laut Regierung müssen damit wohl schon die Angehörigen der am 07.10 überfallenen Siedlungen und Geiseln entschädigt werden. Die 14 Mrd. Finanzspritze aus den USA sind wohl vorrangig für militärische Güter verplant. Naja und der lustige US Brückenkopf scheint technisch gescheitert? Ägypten und Katar hatten sich als "neutrale" Vermittler angeboten und die Verhandlungen zwischen Hamas und Israel ausgerichtet und personell begleitet. Beide arabische Staatsführungen sind durchaus dem westlichen Lager nahe stehend. Beide Staaten sagen heute, dass Israel keinen Willen für Verhandlungen zeigt. Im Detail und in anderen Zusammenhängen, war die Wortwahl auch deutlicher. Das schwache und "traditionell" noch am ehesten pro-israelische Jordanien hat nicht nur dem Iran, sondern explizit auch den Israelis die Nutzung ihres Luftraums für Kampfhandlungen untersagt. Das israelische Vorgehen ist nicht nur militärisch unangemessen, sondern auch auf politisch-strategischer Ebene ein gravierender Fehler. Zitat:Saudi Arabia condemns deadly Gaza school strikehttps://english.alarabiya.net/News/saudi-arabia/2024/08/10/saudi-arabia-condemns-deadly-gaza-school-strike Und das sollen Israels Allianzpartner gegen den Iran werden? RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 11.08.2024 (11.08.2024, 07:38)Quintus Fabius schrieb: Die Wahrheit ist meiner Überzeugung nach, dass die Israelis überhaupt keine Absicht haben dies zu tun, damit sie ihrem orientalischen, für die Gegend allzu typischen Hass- und Rachekrieg führen können.Wir hatten diese Diskussion ja schon. Es ist einfach so, dass niemand in Israel im Gazastreifen Besatzungsmacht spielen möchte. Die Politik nicht, das Militär nicht und die Gesellschaft erst recht nicht. Israel verfolgt eine Strategie in der es darum geht, dass militärische Potential der Hamas weitestgehend zu erschöpfen. Damit ist man erfolgreich, benötigt aber in meinen Augen zuviel Zeit weil man sich zuviel Zeit lässt, zu passiv und ingesamt zu wenig agiert. Dagegen will man an die Verwaltungsstrukturen im Gazastreifen will man nicht ran. Es war nie beabsichtigt und wird nicht dazu kommen, dass irgendein Israelischer Offizier Militärgouverneur in Khan Yunis spielt oder so. Auch keine Filterung und Deradikalisierung der palästinensischen Zivilbevölkerung in irgendwelchen Lagern. Es geht da weniger (aber zweifellos auch) um Rachegedanken, sondern vor allen Dingen schlicht darum, dass man angesichts der Gesamtlage nicht die Kapazitäten hat um auf zehn, zwanzig Jahre hinaus mit zwei, drei Divisionen in Gaza Besatzungsmacht zu spielen, dort Abermilliarden Schekel zu versenken, hunderte Soldaten zu opfern und sich international sonstwas anhören zu müssen, nur um irgendwann abzuziehen ohne irgendetwas verbessert zu haben. Man hat doch schon mit der Besetzung des Südlibanons nach dem ersten Libanonkrieg gesehen wie das endet. Das spart man sich einfach und das ist ganz gut so. RE: Sechster Nahostkrieg - Kongo Erich - 11.08.2024 es gibt im Endeffekt zwei Erklärungsmuster, die sich widersprechen - und damit unauflöslich den Konflikt anheizen: die eine Seite führt mehr oder weniger gezielte Schläge gegen politische Führer der anderen Seite durch und versucht, in einem Städtekrieg eine Organisation zu zerstören, deren Struktur vielleicht massiv geschädigt, deren Gedankengut aber nicht mit Gewalt zerstört werden kann und die andere Seite argumentiert, wenn man die gezielten Schläger der einen Seite reaktionslos stehen lassen würde, dann werde die eine Seite immer wieder zu solchen "Enthauptungsmitteln" greifen, weshalb eine starke Reaktion, mit der die eine Seite in die Schranken gewiesen werden müsse, unumgänglich notwendig sei ... RE: Sechster Nahostkrieg - Kos - 11.08.2024 Komisch finde ich auch, dass viele von Israel erwarten sich um die Palästinenser zu kümmern. Wie wäre es wenn die Araber usw. mal selber sich der Palästinenser annehmen und dort versuchen eine funktionierende Verwaltung aufzubauen? Wird aber nicht geschehen, da niemand sich mit der Hamas und den Palästinensern an sich auseinandersetzen will... |