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Sechster Nahostkrieg - Druckversion +- Forum-Sicherheitspolitik (https://www.forum-sicherheitspolitik.org) +-- Forum: Hintergründe (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=97) +--- Forum: Krisen, Konflikte und Kriege (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=99) +--- Thema: Sechster Nahostkrieg (/showthread.php?tid=6962) Seiten:
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RE: Sechster Nahostkrieg - MartiniX - 19.02.2024 (18.02.2024, 22:39)Quintus Fabius schrieb: Inakzeptabel. Absolut! Zudem ist es sachlich schlicht falsch. Wie leichtfertig allerorten von "Genozid" die Rede ist, ohne im geringsten darauf einzugehen, dass dafür jegliche Intention auf Seiten Israels fehlt (Anders als bei der Hamas, deren Erklärtes Ziel eben ein Genozid an Juden ist) Hat hier jemand das Interview mit Präsident Herzog in München gesehen? Zitat:Für ihn wurde die Zwei-Staaten-Lösung als Garant für Frieden im Nahen Osten durch den Angriff der Hamas an den Horizont verschoben. Die Israelis hätten ein Trauma erlitten, um das es sich jetzt zu kümmern gelte. Trotz des erlittenen Leids klingt in Herzogs Worten Hoffnung mit: „Ich glaube fest daran, dass Israelis und Palästinenser Frieden verdienen und dass sie Mittel und Wege finden sollten, um sich in Richtung Frieden zu bewegen, und dass der zugefügte Schmerz nicht erneut auftreten darf.“ Ich hab solche Stimmen von der Hamas noch nicht gehört ... RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 23.02.2024 Ein ganz interessanter Einblick in die Arbeit des israelischen Kriegskabinetts: Less leaks, more talks and late-night pizzas: Inside nerve center of Gaza war https://www.ynetnews.com/magazine/article/by5h9gu3t RE: Sechster Nahostkrieg - Schneemann - 26.02.2024 Die Verwüstungen, die sich in Gaza nach über viermonatigen Luftangriffen eingestellt haben, sind nach allem, was man in Erfahrung bringen kann, enorm. So sollen nach verschiedenen Angaben zwischen 50% und 70% aller Gebäude zerstört oder zumindest schwer beschädigt worden sein. Zumindest im Norden von Gaza gibt es kaum mehr wirklich bewohnbare Einrichtungen, weswegen die Frage aufkam, ob überhaupt noch an eine neuerliche Besiedlung zu denken wäre? Von Dezember: https://www.wsj.com/world/middle-east/gaza-destruction-bombing-israel-aa528542 In gewisser Weise ist der teils kolportierte Slogan, man solle aus dem Terroristennest einen Parkplatz machen, durchaus eine Realität geworden. Denn unabhängig von der Zahl der Opfer, die irgendwo bei um die 30.000 liegen soll (Dunkelziffer ausgenommen), haben wir es mit einer einzigen Trümmerlandschaft zu tun. Und hier wäre die Frage, wie dieses Areal wieder zu einem bewohnbaren Gebiet werden soll bzw. welche Pläne bestehen, wie das Gebiet zukünftig aussehen soll? Hinzu kommt, dass der Wiederaufbau irgendwo - die Kalkulationen gehen meilenweit auseinander - eine mindestens zweistellige Milliardensumme verschlingen dürfte (geschätzt zwischen 20 und 30 Mrd. Dollar im Minimum). An eine Rückkehr der Bevölkerung in absehbarer Zeit ist zumindest nicht mehr zu denken, zumal der Aufbau Jahre verschlingen dürfte. Interessant ist auch, welche enorme Feuerkraft aufgewendet wurde. Allerdings habe ich hier das Gefühl, dass teils die Zahl der eingesetzten Waffen mit der abgeworfenen Tonnage an Bomben gleichgesetzt wird. Hier werden teils Zahlen von 40.000 oder mehr Tonnen (!) Bomben genannt, der propalästinensische und Hamas-nahe Middle East Monitor redet z. B. von 65.000 Tonnen (https://www.middleeastmonitor.com/20240104-israel-dropped-65000-tonnes-of-bombs-on-gaza-in-89-days/), was mir aber als maßlose Übertreibung erscheint, müssten dann doch min. 15.000 bis 20.000 Tonnen im Monat oder rund 500 bis 700 Tonnen je Tag abgeworfen worden sein. Die IAF hat bis Mitte Dezember anscheinend rund 29.000 Bomben abgeworfen... Zitat:Nearly Half Of All Munitions Dropped Over Gaza Are ‘Dumb Bombs,’ Report Citing U.S. Intel Assessment Says [...]https://www.forbes.com/sites/siladityaray/2023/12/14/nearly-half-of-all-munitions-dropped-over-gaza-are-dumb-bombs-report-citing-us-intel-assessment-says/ ...wobei ich aber von ausgehe, dass das beileibe nicht alles 2.000-Pfund-BLU-109er waren - von denen allenfalls "ein paar hundert" verfügbar wären -, sondern dass da viele auch "einfache" 1.000- und 500-Pfund-Bomben darunter waren. Insgesamt vermute ich mal, dass bis Mitte Dezember vllt. um die 10.000 Tonnen Bomben eingesetzt wurden. Zweifellos handelt es sich aber um eine der intensivsten Bombenkampagnen der letzten Jahrzehnte, die allenfalls noch mit Vietnam verglichen werden kann, zumal auf dieser recht überschaubaren Fläche. Letztlich ist das aber natürlich eine enorme Feuerkonzentration und es ist erstaunlich, welches Arsenal bei der IDF vorhanden ist. Und man muss wohl annehmen, dass den Europäern vermutlich bereits nach einer Woche die Bombenbestände ausgegangen wären... Schneemann RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 26.02.2024 29.000 Abwürfe in 60 Tagen = 480 Abwürfe pro Tag = ca. 150 Sorties Das durchschnittliche Gewicht pro Bombe müsste deutlich unter einer Tonne liegen. "We haven't even 10% of the IAF's power in Gaza." Yoav Gallant https://www.jpost.com/israel-news/defense-news/article-772795 Dazu: Zitat:The Israeli Air Force (IAF) maintains a limited number of serviceable combat aircraft in long-term storage. But, more significantly, mobilization of reserves allows the IAF to achieve a uniquely high aircrew-to-aircraft ratio, as emergency posting and reserve aircrew supplement those in active service. These supplementary aircrews serve within squadrons irrespective of rank. The resulting wartime aircrew-to-aircraft ratio of about 2.5:1.0 allows the IAF to achieve a uniquely high planned sustained wartime daily sortie rate of seven per F-16 and five per F-15. This rate is achievable out to a maximum range of about 800 km. Beyond this range, the number of daily sorties that can be generated by each aircraft becomes constrained by the cumulative flight hours required to complete successive long-range sorties.https://www.jstor.org/stable/resrep26354.4?seq=3 Ich gehe davon aus, dass die IAF hier in weiten Teilen die überschüssigen Munitionsbestände aus dem WRSA-I eingesetzt hat. Stichwort M117. Im Zusammenhang mit der Entnahme der 155mm Artilleriemunition für die Ukraine hieß es dazu: Zitat: The current stockpile is full of so-called dumb munitions (those without sophisticated guidance systems), such as the 155-mm rounds and thousands of “iron bombs” that are simply dropped from aircraft so gravity can do its work. One reason Israel is comfortable with withdrawing the 155-mm rounds is that this will free up space for precision-guided munitions, which is about all the Israeli air force uses.https://jinsa.org/sending-dumb-weapons-from-israel-to-ukraine/ Zudem: Zitat: 244 US cargo planes, 20 ships deliver over 10,000 tons of military equipment to Israel — reporthttps://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/244-us-cargo-planes-20-ships-deliver-over-10000-tons-of-military-equipment-to-israel-report/ Israel begins shift to domestic ammunition production https://www.jns.org/israel-begins-shift-to-domestic-ammunition-production/ RE: Sechster Nahostkrieg - Schneemann - 26.02.2024 Zitat:"We haven't even 10% of the IAF's power in Gaza." Yoav GallantDas ist aber auch schon ein Vierteljahr her, d. h. man hat seitdem einiges verschossen. Zitat:The IAF istherefore capable of delivering many thousands of precision-guided munitions per day. Consequently, it is estimated that Israeli fast jet squadrons can neutralize 3,000-5,000 individual targets per day...Das halte ich allerdings ebenso für eine Übertreibung. Interessant in dem Sinne finde ich dieses etwas mysteriöse System "Gospel" (ich hatte da erst kürzlich darüber gelesen): Es soll quasi eine Art Zielfindungs-KI sein... Zitat:Israel lässt KI Angriffsziele in Gaza auswählen - Experten äußern Bedenken [...]https://www.fr.de/politik/gospel-israel-news-kuenstliche-intelligenz-ki-armee-ziele-gaza-hamas-zivilisten-kritik-the-zr-92708520.html Da die Meldung von Anfang Dezember ist, also rund zwei Monate nach Beginn des Gegenschlages, wären also ca. 6.000 Ziele im Monat zugewiesen worden - wenn wir annehmen, sie hätten ab Oktober mit der Auslotung begonnen -, also grob 200 Ziele am Tag, die seitens der KI generiert wurden. Jetzt wäre die Frage, wie viele Ziele die KI vorgibt und wie viele man selbst "frei" auswählt... Schneemann RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 26.02.2024 (26.02.2024, 12:25)Schneemann schrieb: Das ist aber auch schon ein Vierteljahr her, d. h. man hat seitdem einiges verschossen.Ich denke die Aussage bezieht sich eben in erster Linie auf die maximale Schlagkraft im Sinne der generierbaren Einsatzrate, nicht auf die verfügbaren Munitionsbestände. Zitat:Das halte ich allerdings ebenso für eine Übertreibung.Warum? 350 Kampfjets x 4 Sorties x 4 Bomben = 5.600 Ziele pro Tag. Das man diese Menge an Zielen nicht identifizieren kann und nicht genügend Munition verfügbar um das länger durchzuhalten ändert nichts daran, dass es im Maximum möglich ist. Zitat:Da die Meldung von Anfang Dezember ist, also rund zwei Monate nach Beginn des Gegenschlages, wären also ca. 6.000 Ziele im Monat zugewiesen worden - wenn wir annehmen, sie hätten ab Oktober mit der Auslotung begonnen -, also grob 200 Ziele am Tag, die seitens der KI generiert wurden. Jetzt wäre die Frage, wie viele Ziele die KI vorgibt und wie viele man selbst "frei" auswählt...Die hohe Zahl an Angriffen liegt nicht allein an dieser KI Geschichte. Die hatten schon vor dem Krieg 2024 sehr umfangreiche Ziellisten, auch in den Kriegen zuvor. Nach dem 07. Oktober hat man die Einsatzkriterien liberalisiert und viele Ziele abgearbeitet, die man früher nicht angegriffen hat. Zudem generiert die Entscheidung zur Bodenoffensive enorme Zahl an zusätzlichen Zielen die es in beschränkteren Konflikten in der Vergangenheit so nicht gegeben hat. RE: Sechster Nahostkrieg - TobyR - 27.02.2024 (19.02.2024, 12:37)MartiniX schrieb: Absolut!Etwas ironisch, Herzog hier zu erwähnen, wo es doch unter anderem seine Äußerungen waren, die der IGH zum Anlass genommen hat, diese Intention sehr wohl als möglich anzusehen - und von denen er erst zurückgerudert ist, nachdem sie auf diese Weise relevant geworden sind: https://www.haaretz.com/israel-news/2024-01-28/ty-article/herzog-blasts-icjs-portrayal-of-his-remarks-says-there-are-innocent-palestinians-in-gaza/0000018d-51cb-dfdc-a5ad-dbffce970000 Von dem, was Leute wie Smotrich und Ben-Gvir erzählen, die ja auch in der Regierung sind, wollen wir mal ganz schweigen... RE: Sechster Nahostkrieg - lime - 01.03.2024 In GB kann man als Mitglied einer Splitterpartei Wahlen gewinnen wenn man sich enthusiastisch für Gaza einsetzt und die pal. Kämpfer als Helden deklariert. Dass das Wahlergebnis in etwa dem Anteil der Muslime in Rochdale entspricht ist sicher nur reiner Zufall. https://www.theguardian.com/politics/2024/mar/01/george-galloway-wins-rochdale-byelection RE: Sechster Nahostkrieg - TobyR - 01.03.2024 (01.03.2024, 10:16)lime schrieb: In GB kann man als Mitglied einer Splitterpartei Wahlen gewinnen wenn man sich enthusiastisch für Gaza einsetzt und die pal. Kämpfer als Helden deklariert. Dass das Wahlergebnis in etwa dem Anteil der Muslime in Rochdale entspricht ist sicher nur reiner Zufall.Schlimm, schlimm. Grundsätzlich sollte man in einer ordentlichen Demokratie nur die Guten wählen dürfen. RE: Sechster Nahostkrieg - Schneemann - 02.03.2024 Ich denke, dass wir langsam an einem Punkt sind, wo es für Gaza eine Lösung jenseits der reinen militärischen Gewalt geben muss. Nach rund viermonatigem Draufhauen ist Gaza, zumindest der Norden, schon recht nahe am immer wieder kolportierten "Parkplatz" angekommen, dazu kommen vermutlich 100.000 Tote und Verletzte auf Seiten der Palästinenser. Und die Situation vor Ort scheint tatsächlich nun sehr angespannt zu sein, das zeigte sich auch an diesem Vorfall von vorgestern, wo es vermutlich bei einem Sturm auf einen Hilfskonvoi zu mehr als 100 Todesopfern kam. Wie genau die Abläufe waren, ob die Leute von den Lastwagen umgefahren wurden oder ob die Israelis in die Menge geschossen haben, ist noch in der Diskussion, aber zweifelsohne ist dieser Vorgang ein Symptom einer sich drastisch verschlechternden Lage vor Ort. Und letztlich gefährdet dieses Drama auch die eigentlichen Kriegsziele... Zitat:The far-reaching consequences of Thursday’s Gaza aid disasterhttps://www.timesofisrael.com/the-far-reaching-consequences-of-thursdays-gaza-aid-disaster/ Ferner: Zitat:What video and eyewitness accounts tell us about Gazans killed at aid drophttps://www.bbc.com/news/world-middle-east-68445973 Letzten Endes ist es nur mehr sekundär von Gewicht, wer wann oder wie oder aufgrund von welcher Ursache geschossen hat oder nicht geschossen hat. Fakt ist, dass die Lage vor Ort mittlerweile sehr prekär ist, ja faktisch zunehmend außer Kontrolle gerät und entsprechend eine Versorgung der Zivilbevölkerung gewährleistet werden muss. Die USA wollen sich vermutlich auch deswegen am Abwurf von Hilfsgütern beteiligen: Zitat:Krieg in Nahosthttps://www.tagesschau.de/ausland/asien/gaza-hilfsgueter-usa-100.html Schneemann RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 02.03.2024 In Gaza sind aktuell gesichert gemittelt um die 60% der Gebäude zerstört oder beschädigt. Entsprechend ist das Schlachtfeld damit jetzt recht gut gestaltet um die letzten Reste der Hamas die sich offen zeigen zu töten. Verbleibt das Problem der Hamas Kämpfer und Angehörigen welche sich als Zivilisten unter den Zivilisten tarnen um die Sache zu überstehen und danach weiter zu machen. Was könnte getan werden? 1. Israel müsste selbst Lager in der Negev Wüste errichten, in welche die Zivilisten unter kontrollierten Umständen verbracht werden. 2. Dort würden diese dann durchleuchtet werden, einer nach dem anderen und alle Hamas Angehörigen werden entsprechend aussortiert und gesondert getrennt von allen anderen untergebracht. 3. Indem die Bevölkerung systematisch in diese Lager verbracht wird, leer sich der Gazastreifen und werden die Zivilisten damit in Sicherheit gebracht und dann auch dort versorgt. 4. Man kämpft dann im weitestgehend geleerten Gazastreifen die letzten Reste nieder. 5. Man führt das Äquivalent zu einer Entnazifizierung wie nach dem 2WK durch und wer entsprechend tatsächlich Zivilist ist wird in vollständig frei gekämpfte Gebiete des Streifens zurück verbracht. 6. Man verhindert dass die korrupte und degenerierte Fatah in Gaza die Macht erhält, sondern organisiert für die Menschen dort eine neue andere Regierung aus ihren eigenen Reihen. Daran werden dann entsprechende finanzielle, wirtschaftliche und sonstige Hilfen gebunden. Im weiteren wird in Gaza, aber nur dort und nur für dieses Gebiet geltend ein freier Staat Palästina anerkannt. Während die Frage des Westjordanlandes zunächst ungeklärt bleibt. 7. Man tötet noch jahrelang alle Hamasangehörigen weltweit wo immer sie sich auch befinden. RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 02.03.2024 Die israelische Strategie zielt doch schon seit vielen Wochen lediglich darauf ab, das Wehrpotential der Hamas möglichst weitgehend zu schädigen, dagegen ist kein Versuch erkennbar, der Hamas auch nur die verwalterische Kontrolle des Streifens zu entziehen. Dazu müsste man zunächst in alle Teile des Streifens einrücken. Das geschieht auch jenseits von Rafah ganz im Süde nicht. Auch in der Mitte des Streifens, nördlich von Kah Yunis operiert man nicht in den urbanen Zentren. Die komplette Küste südlich von Gaza-Stadt ist nicht besetzt. Genausowenig der Abschnitt zwischen Khan Yunis und Rafah. Dort ist überall noch die Hamas präsent. Nicht nur in ziviler Struktur sondern auch militärisch. Natürlich gibt es keinen gesteigerten militärischen Grund die verbleibenden Gebiete nicht auch einnehmen zu können und die Hamas dort zu zerschlagen, wir sehen aber seit im Prinzip Januar, dass es die IDF eben nicht darauf anlegt. Kaum war der Norden des Streifens genommen, wurde die Mehrheit der eingesetzten Verbände schon wieder herausgelöst und in weiten Teilen demobilisiert. Aktive Truppenteile wurden dann nicht wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre an anderer Stelle im Streifen erneut eingesetzt, sondern in wiederum weiten Teilen in den Norden verlegt - ohne sie dort mittelbar aktiv einzusetzen. Die Aktivitäten im Gazastreifen beschränkten sich nach Gaza-Stadt in einer im Umfang, Geschwindigkeit und Feuerkraft deutlich verringerten Operation im Raum Khan Yunis, zudem beschäftigt man sich damit, die Infrastruktur in unmittelbaren Grenzraum zu zerschlagen und so einen Sicherheitskorridor zu schaffen. In den bereits genommenen Gebieten hat dann die sofortige und drastische Truppenreduktion natürlich dazu geführt, dass überlebende bzw. abgetauchte Hamas-Zellen wieder in Erscheinung getreten sind. Weniger im Kampf gegen die verbliebenen israelischen Truppenteile als vor allem mit dem Versuch wieder Kontrolle über die verbleibende Zivilbevölkerung zu erlangen. Die israelische Reaktion darauf lässt sich mE mit desinteressiert am besten beschreiben. Natürlich schlägt man in den genommenen Gebieten weiter zu, wenn die Hamas zu offen in Erscheinung tritt, ganz offensichtlich will man aber weder seitens des Militärs vor Ort noch grundsätzlich Seitens der Politik irgendetwas mit der Zivilverwaltung der genommenen Gebiete zu tun haben. Ein Umstand der jenseits als des medialen Boheis im Ausland von Israel auch seit Kriegsbeginn so kommuniziert wurde. Entsprechend, Planspiele hinsichtlich einer Entnazifizierung verbieten sich. Israel hat kein Interesse, das innen- wie va außenpolitische Kapital aufzubringen im Gazastreifen auf Jahre hinaus den Besatzer zu spielen und sich mit jedem Vorfall einhelliger Kritik auszusetzen. Das mag man langfristig für falsch halten, ist aber angesichts der einhelligen internationalen Front gegen das Vorgehen im Gazastreifen nicht weiter verwunderlich. Daher, was wird passieren? Man wird in Rafah operieren (im Zuge dessen wird auch die Grenze zu Ägypten durchlässiger werden), die Zerschlagung des Wehrpotentials der Hamas so weitgehend abschließend wie man es für geboten und sinnvoll hält, einen Deal zur Befreiung der Geiseln abschließen, graduell auf einen gesäuberten Sicherheitskorridor entlang der Grenze zurückgehen, Gaza sich in seinem Elend selbst überlassen und warten wie sich die Dinge entwickeln werden. Frei nach dem Motto, wenn der internationalen Gemeinschaft so viel am Schicksal der Bevölkerung gelegen ist sollen sie selbst sehen wie sie sich dort mit wem auch immer auseinandersetzen. Die IDF wird die Aufgabe für sie nicht übernehmen. RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 02.03.2024 Werter Nightwatch: Deshalb schrieb ich ja KÖNNTE getan werden und nicht WIRD getan. Und das aktuelle Vorgehen der IDF und die Beschränktheit desselben ist ein schwerwiegender Fehler. Diese Art von Rasenmähen funktioniert nicht und verschlimmbessert nur die Lage. Zitat:In den bereits genommenen Gebieten hat dann die sofortige und drastische Truppenreduktion natürlich dazu geführt, dass überlebende bzw. abgetauchte Hamas-Zellen wieder in Erscheinung getreten sind. Weniger im Kampf gegen die verbliebenen israelischen Truppenteile als vor allem mit dem Versuch wieder Kontrolle über die verbleibende Zivilbevölkerung zu erlangen. Exakt. Und genau das ist grundfalsch. Und das wird meiner Meinung nach Israel langfristig gesehen noch so dermaßen auf die Füße fallen. Zitat:Entsprechend, Planspiele hinsichtlich einer Entnazifizierung verbieten sich. Israel hat kein Interesse, das innen- wie va außenpolitische Kapital aufzubringen im Gazastreifen auf Jahre hinaus den Besatzer zu spielen und sich mit jedem Vorfall einhelliger Kritik auszusetzen. Das mag man langfristig für falsch halten, ist aber angesichts der einhelligen internationalen Front gegen das Vorgehen im Gazastreifen nicht weiter verwunderlich. Es ist falsch, weil es langfristig Israel mehr schaden wird, als wenn man die Kosten dafür aufbringt. Die Hamas wird damit praktisch als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen und als nächstes zeitnah das Westjordanland fallen und dem folgend der Krieg dann auch an anderen Orten (Norden) eskalieren. Das wird der erste Dominostein sein, der dann eine ganze Kette von Fernwirkungen nach sich ziehen wird deren Folgen die Israelis selbst anscheinend nicht sehen wollen, aus was für Gründen auch immer. Zitat:Frei nach dem Motto, wenn der internationalen Gemeinschaft so viel am Schicksal der Bevölkerung gelegen ist sollen sie selbst sehen wie sie sich dort mit wem auch immer auseinandersetzen. Die IDF wird die Aufgabe für sie nicht übernehmen. Was dazu führt, dass die sogenannte internationale Gemeinschaft in Gaza die dort unbesiegte (!) Hamas wieder aufbauen wird, und diese noch stärker als zuvor aus diesem Kampf hervor geht. RE: Sechster Nahostkrieg - TobyR - 02.03.2024 (02.03.2024, 08:23)Quintus Fabius schrieb: Was könnte getan werden?Ich fasse mal die Vorschläge zusammen: Zwangsverbringung von Millionen von Zivilisten in Internierungslager in der Wüste, "Aussortierung" von "Hamas-Angehörigen" (und dann? Lebenslange Haft für diese Zugehörigkeit? Sonderbehandlung?) Marionettenregime für diejenigen Zivilisten (wobei als Zivilisten nur diejenigen gelten, von denen die Besatzungsmacht keinen Widerstand erwartet), denen die Rückkehr erlaubt wird - aber mit strikter Kontrolle des Lebensnotwendigen durch Besatzungsmacht. Extralegale Hinrichtungen von wiederum allein durch die Zugehörigkeit zu Hamas definierten Staatsfeinden, völkerrechtswidrig auf dem Territorium anderer Staaten. ... Ich glaube, ich würde gerne meinen Account hier löschen, geht das? RE: Sechster Nahostkrieg - Schneemann - 02.03.2024 @TobyR Zitat:Ich glaube, ich würde gerne meinen Account hier löschen, geht das?Zunächst empfinde ich es als schade, dass du das erwägen möchtest. Aber ja, natürlich ist dies möglich. Dennoch möchte ich gerne, dass du bei uns bleibst. Wir sind hier im Kern grundsätzlich sehr tolerant, egal aus welchem Spektrum Meinungen stammen, so lange wie sie sich an den Forenreglements orientieren bzw. diese einhalten. Und auch dann, wenn du gegensätzliche Meinungen hast - die auch nicht mit der Moderation übereinstimmen müssen -, solltest du dich nicht in irgendeiner Art und Weise niedergedrückt oder zum Gehen genötigt fühlen. Wenn du andere Meinungen hast als ein anderes Mitglied oder auch als die Moderation, so finden wir dies auch gut, denn davon lebt der Diskurs und damit diese Community. Bist du also anderer Meinung, so sage dies offen, widerlege Aussagen, die dir missfallen. Grundsätzlich gilt bei uns: Wir sind sehr tolerant. Aber: Mit einem muss man bei uns immer rechnen - mit Widerspruch und ggf. auch mit harten Diskussionen. Wer damit sachlich umgehen kann, ist immer willkommen. Wer damit nicht umgehen kann, sollte dann tatsächlich besser gehen. Schneemann |