(02.05.2024, 16:12)Quintus Fabius schrieb: [ -> ]Zitat:Warum sollte der Fahrer eines BOXERs nicht auch in der Lage sein, einen Wolf, Unimog oder ein spezifisches BOXER-Nachladefahrzeug zu fahren?
Nein das meinte ich umgekehrt: nicht jeder Fahrer eines Wolf oder Unimog kann einen GTK Boxer fahren. CAESAR hingegen ist viel einfacher zu fahren. Wenn ich von 3 Wechselbesatzungen bei der RCH155 ausgehe, benötige ich mindestens 3 Fahrer (!) - bei CAESAR reichen bei 1 Wechselbesatzung 2 Fahrer, aber diese können viel leichter und schneller ausgebildet werden, sie können leichter ersetzt werden und auch ad hoc könnten viele dann als Fahrer einspringen, während dies bei der RCH155 aufwendiger ist und eine höhere Qualifikation und mehr Zeit erfordert.
Du nanntest explizit einen zusätzlichen Fahrer bei der RCH für das zusätzliche Fahrzeug und der ist eben nicht erforderlich, weil dieses immer von einem der drei GTK-Fahrer bewegt werden würde:
Quintus Fabius schrieb: [ -> ]mindestens 3 x 2 Mann plus mindestens 1 Fahrer für das zweite Fahrzeug
Es erfordert natürlich innerhalb der Besatzungen mehr ausgebildete Fahrer, das stimmt wohl. Insgesamt erfordern die beiden Systeme also:
CAESAR - 2 Uffz und 2 Lkw-Fahrer zzgl. 4-6 Mannschafter
RCH155 - 3 Uffz und 3 GTK-Fahrer
Insofern steht also das erhöhte Ausbildungsniveau von 4 Soldaten dem Mehrpersonalbedarf von 2-4 Soldaten gegenüber. Wie dieser Vergleich in der Gesamtbetrachtung ausgeht, da werden wir mangels Datengrundlage geteilter Meinung bleiben, aber ich würde zumindest festhalten wollen, dass die Variante des RCH-Besatzungskonzeptes der
real existierenden Personalstruktur der BW besser entsprechen dürfte, egal was man von dieser hält.
Zitat:Aber jetzt ein entscheidender Punkt:
Was wenn ich die Besatzung aufgrund der Umstände eben nicht wechseln kann ?!
Ich würde den Sonderfall einer möglichen Friktion nicht zu einem entscheidenden Argument für die Systemfrage machen. (Ich weiß: du schon

) MMn ist das eine Frage der Friktions-Vermeidung, bei der bspw. durch Feldersatzeinheiten und redundante Planungen eine Risikominimierung zu erreichen sein sollte. Aber das siehst du bekanntlich anders.
Zitat:Natürlich treten sie nur für diese Verwendung ein. Aber sie belegen Stellen und sie kosten. Für jeden der wegen einer solchen Verwendung in der BW ist, fehlt an anderer Stelle ein Soldat. Weil der erstgenannte die Stelle besetzt und damit die Personalkosten für sich erzeugt, statt dass man diese in der Kampftruppe aufwenden kann.
Nein, genau das ist die Fehlannahme. Würden wir auf 1.500 Sport- und Musiksoldaten verzichten, wäre die Sollstärke der BW bei 201.500 und die Ist-Stärke bei 180.500, es wären kein DP mehr verfügbar und auch kein Soldat mehr, im Gegenteil, wie alphall31 schon schreibt, bringt der Sport eher noch zusätzliche Bewerber in die BW, die dann ggf. auch später als Soldaten in anderer Verwendung weiter dienen oder zumindest als ausgebildetes Mobilisierungspotential zur Verfügung stehen.
Zitat:Wenn ich Geldmittel für xxx.xxx Soldaten habe, und ich schmeiße x.xxx raus und stelle dafür y.yyy ein, dann verschiebt sich damit das Personal bei gleichem Aufwand von unnützen Verwendungen hin zu nützlichen Verwendungen.
Und was, wenn ich Geldmittel für 201.500 (bzw. 180.500) Soldaten sowie separat davon 1.500 Sportler und Musiker habe? Denn so (in etwa) ist die Realität.
Zitat:Aber wie schon öfter von mir betont: würden wir über das in der real existierenden Bundeswehr machbare diskutieren, gäbe es sehr wenig zu schreiben.
Richtig, aber es gibt halt schon noch einen Unterschied zwischen der Frage, welche Entscheidungen innerhalb eines kaputten Systems sinnvoll wären und der, was am System geändert werden müsste. Dementsprechend wäre auf die hier vorliegende Frage bezogen, CAESAR vielleicht etwas für eine Wunschkonzert-BW-Ausstattung, aber eben nicht für das reale Beschaffungsvorhaben "Zukünftiges System Indirektes Feuer mittlerer Reichweite", denn das gäbe es in einer optimierten Bundeswehr so wahrscheinlich gar nicht, bzw. würde es unter ganz anderen Grundvoraussetzungen stattfinden. Und ich persönlich find es durchaus interessant, hier beide Diskussionen zu führen: Was wäre unter den gegebenen Voraussetzungen sinnvoll und was wäre eigentlich richtig, aber unrealistisch? Spoiler: In beiden Fällen steht bei mir am Ende ein AGM und keine manuell bediente, ungeschützte Haubitze.
Zitat:Die RCH155 sind eine Katze im Sack. Die Leistung stimmt etwaig nicht, dann wird es noch jede Menge Kinderkrankheiten, Verzögerungen und Kostensteigerungen geben. CAESAR ist fertig, einsatzbereit und in einem echten Krieg bewährt.
Klar, aber wenn das bewährte System nun mal nicht dem geplanten Konzept entspricht, passt es einfach nicht. Ob die RCH155 sich letztendlich auch bewähren wird, kann heute keiner wissen, aber das ist ja immer so bei Neu-/Weiterentwicklungen und sollte somit kein Argument sein, insbesondere nicht für eine Rüstungsindustrienation wie Deutschland.
Zitat:Der Bedarf aber sind 168.
Auch wenn das nichts an deiner Argumentation ändert: Der
vermeintliche Bedarf. Denn wir alle hier würden sagen, dass mehr erforderlich ist, während wir auch wissen, dass vermutlich diese 168 schon gar nicht realistisch alle betrieben werden können, zumindest nicht mit ausreichend Munition. Wir beide wiederum würden auch sagen, dass eigentlich sogar weniger erforderlich wären, dafür aber sehr viel mehr Raketenartilleriesysteme und insbesondere -munition. "Bedarf" ist also in diesem Zusammenhang relativ. Zudem wurde dieser auch ausgehend vom AGM-Konzept ermittelt, da man sich darauf bereits im Vorfeld festgelegt hatte. Das bedeutet nicht, dass wirklich 168 Rohre, unabhängig vom gewählten Modell, den tatsächlichen Bedarf darstellen.
Zitat:Es ist ganz einfach: CAESAR wirkt meist mit sehr gezielten Einzelschüssen auf große Distanzen (Scharfschützen-Artillerie). Das könnte die RCH155 natürlich ganz genau so.
Also absolut gar kein Argument. Im Gegenteil würde ich sogar behaupten, dass für dir Rolle als Artillerie-Sniper das AGM sogar besser geeignet ist, da der Stellungswechsel weniger Zeit und Aufwand erfordert und somit dieses System für einzelne Präzisionsschüsse effizienter ist. CAESAR hingegen verbessert seine Effektivität mit jedem Schuss mehr, der je Stellungswechsel abgegeben wird, hat also eher Vorteile bei ausdauerndem Feuer. Also insbesondere bei Einsätzen, in denen nicht sofort mit Konterartilleriefeuer zu rechnen ist und wo mann ggf. sogar Munition mit separaten Lkws in die Stellung transportieren kann und so Nachladevorgänge einspart. Deshalb ist es ja auch das bessere System für asymmetrische Szenarien, in denen die Gefahr durch weitreichendes Gegenfeuer geringer ist und mehr Personal vor Ort einen Vorteil an sich darstellt, auch in der Eigensicherung, die in COIN-Szenarien natürlich sehr viel stärker im Nah- und Nächstbereich stattfinden muss als im Peer-Konflikt, wo weitreichende Systeme des Gegners die größere Gefährdung darstellen.
Deshalb würde ich ja auch eine binationale-Artillerieeinheit bei der D/F-Brigade befürworten, deren Einsatzschwerpunkt eben im IKM-Bereich läge.
Zitat:Der wesentliche Unterschied aber ist die Frage der Querfeldeinbeweglichkeit. Die RCH155 ist einfach sehr viel schwerer und trotzdem auf Rädern. Und das Ergebnis davon ist, dass der prozentuale Anteil des Geländes, in welchem sie fahren kann und welches sie nutzen kann um darin zu manövrieren viel geringer ist.
Das ist zwar ein subjektiver, von mir nicht belegbarer Eindruck meinerseits, aber ich glaube das so nicht ganz und sehe das wie Tarond: Ich bezweifle, dass der 6x6-Lkw Sherpa allein aufgrund seines geringeren Gewichtes eklatant besser im Gelände zu bewegen ist als der 8x8-Radpanzer BOXER. Da steht geringeres Gewicht gegen leistungsfähigeres Fahrwerkskonzept. Und wenn man stattdessen vom 8x8 TATRA ausgeht, dann ist der Gewichtsvorteil schnell dahin.
An dieser Stelle wird natürlich auch der Einwand von Tarond relevant, dass beide Fahrzeuge neu in der BW wären, man müsste also entweder die 6x6-Exportvariante auf UNIMOG beschaffen - wie du bereits schriebst, während ich noch diesen längeren Beitrag verfasst habe - oder das System auf einen HX2 integrieren. Da das Ding aber von KNDS kommt, bekämen wir wahrscheinlich die schlechteste aller Lösungen, nämlich einen IVECO.
Zitat:Auch im Radar und auf andere Weise ist eine 6x6 CAESAR unauffälliger als eine RCH155 und erscheint da viel eher als ein einfacher normaler "ziviler" Lkw usw.
Das Argument lasse ich gelten, allerdings kann sich dabei auch fragen, wie stark dieser Effekt wirklich bei den modernen Aufklärungsmitteln ins Gewicht fällt.