Zur Kritik aus CNN:
Zitat:- viel zu lange und diversifizierte Front
Infrastruktur und Gelände (es taut dort bereits) lassen es nicht zu alle Truppen an wenigen Hauptachsen entlang zu entfalten, dazu tritt noch das Problem der logistischen Versorgung, welches ja sogar schon vor dem Angriff auf die Ukraine aufgetreten ist. Die an der Grenze bereit stehenden Truppen hatten bereits vor dem Angriff teilweise Versorgungsprobleme. Eine Ballung von zu viel Truppen an einem oder wenigen Schwerpunkten hätte die Logistik hier noch mehr erschwert. Noch darüber hinaus zwingt eine lange und diversifizierte Front den Feind sich ebenfalls weiter zu dislozieren und sie verschleiert wo der Hauptstoß erfolgt bzw. erfolgen wird.
Zitat:- viel zu wenig logistische Unterstützung
Nach unseren Standards ja, aber in der russischen Armee sieht man solche Logistik-Probleme als normal an und achtet sie wenig, auch dann wenn die Kampfkraft darunter leidet. Die geringere logistische Unterstützung wäre zudem dann kein Problem gewesen, wenn die Ukrainer schnell zusammen gebrochen wären, was direkt überleitet zu:
Zitat:- mangelnde Moral aufgrund von Propaganda gegen die eigenen Truppen (die dann mit einer völlig anderen Realität konfrontiert werden)
Während die Ukrainer hochmotiviert sind und sich regelrecht in den Kampf hinein steigern, sieht es nach diversen russischen Quellen so aus, dass der Krieg bei den russischen Soldaten sehr unpopulär ist, vor allem auch weil man von russischer Seite die Ukrainer als Brudervolk oder sogar einfach als Russen ansieht. Man ging deshalb anscheinend davon aus, dass es von ukrainischer Seite keinen ernsthaften Widerstand geben würde, und als dieser dann doch auftrat wurde man dadurch erheblich demotiviert, weil man nicht die eigenen "Brüder" töten will, den exakt so wurde das ukrainische Volk ja auch von der russischen Propaganda dargestellt und gewichtet. Man sieht das auch ganz klar bei etlichen Aktionen der letzten Tage, die Russen kämpfen halbherzig, als ob sie nicht ganz bei der Sache wären.
Noch ein paar Einzelkritiken:
Zitat:1.) Man hat bislang geschätzt (vermutlich) ca. 50% seiner zusammengezogenen Truppen im Einsatz in der Ukraine, die etwa 10-12% des ukrainischen Staatsgebietes eingenommen haben
Was völlig normal ist und zu erwarten war. Auch ein moderner Krieg ist nicht so schnell wie das immer angenommen wird. Bisher sind die russischen Geländegewinne zumindest für mich ganz normal und im Rahmen des erwartbaren. Was eher erstaunt ist wie wenig man brachiale ungezielte Gewalt anwendet. Russland verballert zur Zeit im Endeffekt alles was es an Präzisionswaffen hat und geht völlig konträr zu dem was ansonsten typisch für die russische Armee ist sehr präzise und zurückhaltend vor.
Beispielsweise ist die Zurückhaltung der russischen Artillerie mit ungezieltem Feuer und Planquadratschießen wirklich auffällig.
Zitat:vor den größeren Städten hat sich der Angriff aber bislang festgefahren
Es wäre mehr als seltsam wenn es anders wäre. Eine verteidigte moderne Stadt kann man nicht so einfach en passant stürmen. Beispielsweise könnte man Kiew mit den Mitteln der Ukrainer welche sie real haben selbst gegen wesentlich ernsthaftere und massivere Angriffe auf jeden Fall mindestens mehrere Wochen halten, ohne Probleme!
Zitat:In fünf Kampftagen sind durchaus empfindliche Ausfälle eingetreten. Hier gehen die Schätzungen zwar meilenweit auseinander, aber vermutlich belaufen sich die Ausfälle auf ca. 10% der Panzer und 5-6% der aufgebotenen Truppen. Das ist nach fünf Tagen schon recht viel.
Find ich nicht. Das war und ist alles im Rahmen des Erwartbaren. Es zeigt lediglich auf wie enorm Verlustreich heute Kriege sind. Die Feuerkraft ist einfach zu immens geworden, dass ist alles nur noch bedingt mit den Erfahrungen von früher zu vergleichen.
Und auch die Ukrainer werden entsprechende Verluste haben. Relevanter als die Frage wie hoch diese ausfallen ist die Frage, wie sich das auf den Kampfeswillen auswirkt und ab welchen Verlusten Einheiten aufgrund psychologischer Faktoren dann in ihrer Einsatzfähigkeit drastisch einbüßen.
Zitat:Es wird von Nachschubschwierigkeiten berichtet. Inwieweit dies zutrifft, ist schwer zu sagen. Anhaltspunkt könnte allenfalls der langsame Fortschritt sein. Fakt ist sicherlich auch, dass das Areal dort den Hinterhalt begünstigt und bislang sieht man zwar Vorstöße, aber ich habe das Gefühl, dass der Flankenschutz wenig ausgeprägt ist. Und das macht Attacken auf Nachschubkonvois recht wahrscheinlich.
Ganz allgemein scheint die Eigensicherung bei den rückwärtigen Diensten sehr mau gewesen zu sein. Die meisten Filme über zerstörte Nachschubeinheiten etc zeigen die Fahrzeuge alle geballt, de facto Stoßstange an Stoßstange, mit völlig unzureichender oder gar nicht vorhandener eigener Sicherung. Der Grund dafür ist entweder schlechte Ausbildung / ein Mangel an Können oder völlig falsche Annahmen und Informationen darüber wem und was man hier gegenübersteht.
Der "langsame" Fortschritt ist hingegen meiner Meinung nach eine Fehlwahrnehmung. Das alles ist keineswegs langsam, sondern ganz im Gegenteil teilweise überhastet. Für den Irak (man bedenke die Kräfteverhältnisse !) benötigten die USA und ihre Verbündeten ungefähr 40 Tage. Die USA benötigten vom 20 März bis zum 7 April um in Bagdad einzumarschieren und es gab dort keinen ernsthaften Widerstand, insbesondere keinen Orts- und Häuserkampf wie er jetzt in der Ukraine stattfindet.
Es ist einfach völlig illusorisch zu glauben, man könne ein Land wie die Ukraine einfach ad hoc überrennen, und die Städte einfach so auf der Stelle nehmen.