Schneemann schrieb:....
Jetzt sind wir aber schon (wieder mal) arg auf dem Gebiet der einseitigen Verharmlosungen. Die Hamas will den Staat Israel auflösen und sieht in jedweder Verhandlung eine Verzögerung auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen. Aber was heißt auflösen? In Säure? Das ist eine verklärende Umschreibung für die Eliminierung eines Landes. Zwar werden evtl. nicht die gleichen Vernichtungsformeln gebraucht, wie vom ausfallend werdenden und unberechenbaren Irrlicht in Teheran, aber an dem destruktiven Endergebnis kann es keinen Zweifel geben. Und das man Verhandlungen als Verzögerungen ansieht – und als Einmischung (wobei die Bösen natürlich die anderen sind) –, zeigt auch, dass man an richtigen Verhandlungen gar kein Interesse hat. Das einzige, über was die Israelis mit der Hamas verhandeln könnten, wäre das Ende Israels. Und das ist von vorneherein schon mal ein kontraproduktiver Ansatz. Und dies mit irgendwelchen Traditionen im Bereich Basargefeilsche gleichzusetzen, bzw. versuchen es zu erklären, ist eine krasse Verharmlosung. Dann könnte man auch sagen, dass man zwischen Folter und ein bisschen Folter ja unterscheiden müsse und dass das Ganze ja nur eine Umschreibung für einen Mittelweg sei, den es – richtig – in diesem Falle genauso wenig geben darf und sollte.
An Verhandlungen führt kein Weg vorbei - und die Verhandlungen müssen im Ergebnis sowohl das Existenzrecht Israels als auch das Existenzrecht eines palästinensischen Staates in den von der UNO vorgegebenen Grenzen (von 1967) und wirtschaftlich überlebensfähig haben.
Wer die Palästinenser vertritt ist dabei Sache der Pallis selbst. Genauso wenig, wie die Hamas Israel "auflösen" kann ist es den Israeli möglich, die Hamas oder die Fatah oder welche Organisation auch immer zu ignorieren oder zu "auszulöschen".
Schneemann schrieb:Abgesehen davon: In Gaza gab es lange die Möglichkeiten, Fischerei, Handwerk, etc. zu fördern. Man hat es aber nicht getan, auch vor der Blockade Israels nicht, obwohl Zeit dazu da gewesen wäre. Aber nein, man hat es nicht. Man hat sich gegenseitig bekriegt, ja irgendwann gegenseitig ausgestochen und letztlich hat die Hamas lieber ihre Waffendepots gefüllt als die Bäckereien. Es stimmt zwar schon, dass die Korruption unter der Herrschaft der Hamas anscheinend geringer geworden ist, aber um welchen Preis? Anstatt zivile Dinge zu fördern, hat man lieber den eigenen militärischen Belangen Folge geleistet.
nein, der für Touristen gedachte Flughafen (der von der EU gebaut wurde und eine entsprechende Kontrolle gehabt hätte) wurde von den Israeli umgepflügt, bevor er überhaupt in Betrieb gehen konnte - und die Hamas ist von Israel als Gegenpart zur Fatah (die damals als "schimmste Terrororganisastion" galt) gezielt gefördert worden.
Die Bäckereien können nicht "gefüllt" werden, weil Israel den Gazah-Streifen seit dem Abzug der Israeli - also der Besatzungsmacht" - isoliert, zu Wasser, zu Land, und in der Luft.
Dabei wäre es problemlos möglich, die Versorgung mit zivilen Gütern über den Landweg aus Israel (und damit von Israel kontrolliert) zu ermöglichen.
Auch die Fischer aus dem Gazah-Streifen könnten verpflichtet werden, ihre Fische in Israel anzulanden und den Heimathafen erst nach einer entsprechenden Kontrolle und Freigabe des Bootes (kontrolliert von israelischen Streitkräften wie der Marine) anzulaufen, damit kein Waffenschmuggel über diese Wege passiert.
Die Pallis im Gazah-Streifen hatten nie eine faire Chance.
Schneemann schrieb:... Genauso wie die Hamas nun die Bevölkerung des Gaza-Streifens in eine Art kollektive Geiselhaft nimmt für ihre Aktionen, ...
STOP - wer nimmt hier wen in Geiselhaft? Die Israeli verüben doch "Sippenhaft", und gehen im Gazah-Streifen vor, obwohl sie wissen, dass die Zivilbevölkerung nicht fliehen kann, oder?
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/gazastreifen264.html">http://www.tagesschau.de/ausland/gazastreifen264.html</a><!-- m -->
Zitat:Gaza-Krieg geht unvermindert weiter
"Man kann vor dieser Gewalt nicht fliehen"
Israelische Soldaten und Hamas-Kämpfer fechten ihren Krieg mittlerweile in den Wohngebieten des Gazastreifens aus. Heftige Kämpfe werden aus Gaza-Stadt und Chan Junis gemeldet.
...
Stand: 06.01.2009 16:10 Uhr
Schneemann schrieb:Und auch kann ich der Umschreibung der gnadenlosen Brutalität nicht viel abgewinnen. Wenn man den Gaza-Streifen blindlings umgraben würde, ohne Rücksicht auf Verluste, dann würde ich dir zustimmen, aber in diesem Fall, wo die Israelis doch – nach den Möglichkeiten, die es in einem engen Stadtgebiet überhaupt gibt – ihre Ziele relativ genau versuchen auszusuchen, kann man diese Behauptung so nicht stehen lassen. Und was soll man machen, wenn der Feind gegen jede Regel Waffen in Moscheen, Praxen und Schulen versteckt?
dazu nur:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/chatmulack100.html">http://www.tagesschau.de/ausland/chatmulack100.html</a><!-- m -->
tagesschau-Chat mit Gunter Mulack
Zitat:"Israels Vorgehen ist unverhältnismäßig"
Von Corinna Emundts, tagesschau.de
Die deutsche Politik hält sich mit Kritik an Israels Vorgehen im Gaza-Krieg auffallend zurück. Der Nahost-Experte und Ex-Diplomat Gunter Mulack verurteilte im tagesschau-Chat Israels Militäraktion in Gaza scharf. Er sieht die Verhältnismäßigkeit angesichts der zivilen Opfer nicht gewahrt. Zudem sei Israels Operations-Ziel vollkommen unklar.
...
Stand: 06.01.2009 16:28 Uhr
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.faz.net/s/RubB30ABD11B91F41C0BF2722C308D40318/Doc~E56FB90DE21884CC3B859EF175BE6B0FB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">http://www.faz.net/s/RubB30ABD11B91F41C ... ntent.html</a><!-- m -->
Zitat:Krieg im Gazastreifen
„Hunderttausende haben kein Trinkwasser“
06. Januar 2009 Tsafrir Cohen ist Vertreter der deutschen Hilfsorganisation Medico International in Israel und den palästinensischen Gebieten. Die Medico-Partner „Health Work Committees“ und „Palestinian Medical Relief Society“ (PMRS) sind im Gazastreifen aktiv. Mit Cohen sprach Markus Bickel. ....
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/768/453458/text/">http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/polit ... 3458/text/</a><!-- m -->
Zitat:06.01.2009 17:12 Uhr
Krieg im Gaza-Streifen
Dutzende Tote bei Angriffen auf UN-Schulen
Im Gaza-Streifen sind zwei UN-Schulen, in denen Hunderte Flüchtlinge Schutz gesucht hatten, von israelischen Geschossen getroffen worden. Dabei sind nach palästinensischen Angaben mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen.
...
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EEFD45A795B90406A817883EED1A71FDC~ATpl~Ecommon~Scontent.html">http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437 ... ntent.html</a><!-- m -->
Zitat:Gaza
Ärzte: Israelische Armee tötete 40 Personen vor UN-Schule
06. Januar 2009 Israelische Panzergranaten haben nach Aussagen von Ärzten mindestens 40 Palästinenser nahe einer Schule der Vereinten Nationen (UN) im Gazastreifen getötet. Den Angaben nach schlugen am Dienstag zwei Geschosse vor dem Gebäude ein, in dem Hunderte Palästinenser Zuflucht vor den Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und der radikal-islamischen Hamas gesucht hatten.
....
Die UN hatten mehrere Schulen und andere öffentliche Gebäude im Gazastreifen zu Schutzräumen umfunktioniert und zum Teil mit blauer Farbe kenntlich zu machen gesucht.
Schneemann schrieb:Zitat: Aber die UN-Berichterstatter sind ja einseitig und unfair und werden von den Israelis daher gebührend behandelt:
Das ist auch leider häufig so. Die meisten Menschenrechtsorganisationen gehen auch eher gerne und lieber auf israelische Verstöße ein als auf Vorfälle auf arabischer Seite. ......
ja, es ist richtig: an einen demokratischen Rechtsstaat stelle ich höhere Anforderungen als an einen Staat, indem andere Traditionen verwurzelt sind und der diese westlichen Ideale noch nicht üernommen hat; auch an die Polizei stelle ich höhere Anforderungen als an einen Einbrecher (da muss man schon froh sein, wenn es nicht zu einem Todesfall kommt).
Entsetzt bin ich aber, wenn sich die Gesetzeshüter als Gesetzesbrecher betätigen.
Schneemann schrieb:Insofern: Es ist zwar nicht gut, aber nachvollziehbar, dass die Israelis jetzt so pikiert reagieren...
Schneemann.
ich halte es nur für "nachvollziehbar", wenn man einseitig die israelische Berichterstattung "für bare Münze" nimmt, aber dass diese Berichterstattung genauso manipuliert ist wie die Information der Hamas, haben wir hier ja schon festgestellt.
Wenn man dagegen versucht, die Informationen auf ihren Kerngehalt zu reduzieren (etwa auf das Verhältnis der zivilen Opfer beider Seiten und die Waffeneinsätze der beiden Seiten) und sich auf die wenigen unabhängigen Quellen verlässt, z.B. auf UN-Vertreter oder Ärzte, die noch im Gazah-Streifen tätig sind - dann wird die israelische Eskalation nicht mehr "nachvollziehbar".